München, 23. November 2018 – Amira* hat sie am eigenen Leib gespürt, die unbändige Wut und Erniedrigung ihres Mannes. Sie entlud sich in Form von Tritten und Fausthieben an ihr, anfangs vereinzelt, bald täglich. Die sechsmonatige, kräftezehrende Flucht aus Somalia hatten sie und ihr Mann mit ihrem Baby dennoch gemeinsamen durchgestanden und waren 2016 schließlich in Deutschland angekommen. Amiras Ehemann aber litt unter der plötzlichen Untätigkeit und der Unsicherheit ihrer Situation. Seine Identität als Oberhaupt und Beschützer der Familie schien dahin. Die Gewalt gegen seine Frau nahm zu. Als Amira von einer Frauenunterkunft erfuhr, wusste sie: Wenn sie sich und die Zukunft ihrer Tochter retten wollte, musste sie die räumliche Trennung zu ihrem Mann erreichen.

Katrin Bahr, Condrobs-Bereichsgeschäftsführerin Angebote für Frauen* und Männer* in München, erläutert: „In unserer bayernweit ersten und nach wie vor einzigen Unterkunft für geflüchtete Frauen geht es vielen Frauen wie Amira: Sie hat, nach den Traumata der Flucht und der Gewalterfahrung durch ihren Mann, eine immense Kraft aufgebracht, ihren Wunsch nach Selbstbestimmung zu verwirklichen. Frauen haben oft frauenspezifische Fluchtgründe und Gewalterfahrung in ihren Heimatländern, werden häufig Opfer sexueller Übergriffe auf der Flucht – und finden in Sammelunterkünften wieder keinen Schutz vor Gewalt und Übergriffen. Wir müssen diese Gewaltspirale hier endlich durchbrechen!“

Aufruf zu Solidarität

Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November 2018 ruft Condrobs zu Solidarität gegenüber allen Frauen auf, die Opfer von Gewalt werden. „Wir setzen uns intensiv dafür ein, den Schutz für Frauen bei Gewalttaten und unzumutbaren Belästigungen in Deutschland zu verbessern“, betont Eva Egartner, Geschäftsführende Vorsitzende Condrobs e.V., „Die Initiative von Familienministerin Giffey, in einem bundesweiten Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen unter anderem ambulante Hilfs- und Betreuungseinrichtungen sowie Frauenhäuser auszubauen, begrüßen wir ausdrücklich.“

Gemeinsamer Kampf für die Würde der Frauen auch in Ankerzentren

In einem offenen Brief vom 15. November 2018 wendet sich Condrobs im Münchner Aktionsbündnis für geflüchtete Frauen an die verantwortlichen Politiker*innen und fordert eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen insbesondere von Frauen in den bayerischen Ankerzentren. Hier leben mehr als 1500 Geflüchtete pro Zentrum auf engem Raum, gemischtgeschlechtlich untergebracht. Frauen können ihre Zimmer nicht abschließen, es gibt keinen strukturellen Schutz vor Übergriffen. Zahlreiche geflüchtete Frauen sind schwanger. Deshalb müssen Frauen und ihre Kinder besonders geschützt werden, sie müssen einfachen und sicheren Zugang zu psychosozialen Hilfsangeboten bekommen. Das Aktionsbündnis fordert außerdem den Ausbau separater Unterkünfte für alleinstehende geflüchtete Frauen und ihre Kinder.

*Name und Herkunft geändert