Zum 21. Drogentotengedenktag

Condrobs e. V. fordert den Ausbau von Hilfsangeboten zur Reduzierung von Todesfällen

Bayern stellt seit Jahren einen traurigen Rekord auf: Die Anzahl der Todesopfer infolge von Drogenkonsum ist im südlichen Bundesland höher als im restlichen Bundesgebiet. Mit 235 Toten im Jahr 2018 ist die Zahl im Vergleich zu 2017 (308 Tote) zwar gesunken, dies scheint allerdings nur eine kurzfristige Entwicklung gewesen zu sein. Bis April 2019 gab es schon wieder 30% mehr drogenbedingte Todesfälle als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres. Alleine in der Landeshauptstadt München wurden im Zeitraum 01. Januar – 30. Juni 2019 bereits 22 Drogentote gezählt, ein Anstieg von 100% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
 
Anlässlich des Internationalen Gedenktages für verstorbene Drogenabhängige möchte Condrobs e. V. zusammen mit dem Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit, Caritas, extra e. V., Münchner Aids-Hilfe e. V., prop e. V. und Getaway München e. V. diesen Zahlen Gesichter und eine Stimme geben und die Politik an ihre Aufgabe erinnern, allen Menschen ihre Grundrechte einzuräumen.
 

Drogenkonsumräume verhindern Todesfälle

Bereits 2018 beantragten endlich auch die CSU-Stadträte einen Drogenkonsumraum als Modellprojekt für München. Dort sollten Drogenkonsument*innen die Möglichkeit bekommen, in einem geschützten Umfeld, mit sterilen Materialien und unter Aufsicht Substanzen zu konsumieren. Doch seither hat sich die neugewählte Staatsregierung mit dieser Forderung nicht beschäftigt. Ein schweres Versäumnis findet Eva Egartner, Geschäftsführende Vorsitzende Condrobs e. V.: „Konsumräume sind ein wichtiger  Bestandteil eines umfassenden Safer-Use-Programms. Jeder Mensch hat das Recht auf Zugang zu medizinischer Versorgung. In Konsumräumen können Drogenkonsument*innen ohne Angst vor weiterer Strafverfolgung sicher konsumieren. Damit könnte man durch vergleichsweise einfache Mittel die Anzahl der Drogentoten stark verringern. Gelungene Vorbildprojekte aus anderen (Bundes-)Ländern gibt es genügend. Die bayerische Politik darf hier nicht länger wegschauen, sondern sollte endlich handeln.“
 

Drug-Checking als Säule eines ganzheitlichen Safer Use-Programms

Neben Konsumräumen stellt Drug-Checking eine wichtige Säule in einem umfassenden Programm zur Reduzierung von Risiken beim Drogenkonsum und darüber hinaus bei der Prävention von jungen, unerfahrenen User*innen dar. Drug-Checking ermöglicht Menschen, vor allem Partydrogen vor dem Konsum auf ihre Inhaltsstoffe und Wirksamkeit untersuchen zu lassen. So können Risiken besser eingeschätzt und eine Überdosierung verhindert werden. In Berlin startete Ende 2018 das erste bundesweite Modellprojekt für Drug-Checking. Condrobs fordert bereits seit 2005 die Einführung von flächendeckenden Angeboten als Gesundheitsschutz und als weiteres wirkungsvolles Instrument zur Verminderung von Begleitrisiken bei Drogenkonsum. „Gerade durch die Zunahme der Todesfälle durch dem Konsum von neuen psychoaktiven Substanzen und psychoaktiven Medikamenten ist es umso wichtiger, dass die Konsument*innen sich vor dem Gebrauch über mögliche schädliche Inhaltsstoffe informieren können. Aufklärung ist das wirkungsvollste Mittel gegen die Macht der Drogen, das wir haben!“, so Eva Egartner. 
 

Bayerisches Naloxon-Modellprojekt zeigt Erfolge

Im Rahmen des bayerischen Modellprojekts „BayTHN – Take-Home-Naloxon“ führt Condrobs seit Oktober 2018 in München mindestens ein monatliches Naloxon-Training durch, bei dem Drogengebraucher*innen und Angehörige den richtigen Umgang mit dem Opiatgegenspieler lernen können. In Situationen von Überdosierung können die Geschulten mit der richtigen Anwendung Leben retten.
 
Bereits vor dem Modellprojekt setze sich Condrobs für professionelle Naloxon-Trainings sowie die freie Ausgabe des Medikaments ein und veranstaltete einen bundesweiten Fachtag zum Thema. Zwischen April 2016 und Juli 2019 konnten alleine in München 22 Todesfälle durch den Einsatz von Naloxon verhindert werden.
 

Bayernweite Gedenkfeiern

In München findet die diesjährige Gedenkfeier unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dieter Reiter am Montag, 22. Juli von 11 bis 14 Uhr am Marienplatz statt. Unter dem Motto „Gemeinsam – Überleben sichern und den Drogentoten gedenken“ gibt es rund um den Münchner Marienplatz Informationsstände, Ansprachen und Stationen zum Thema. Musikalische Unterstützung bieten die Donnelly Band und die Trommelgruppe off+.
 
Auch in Augsburg ist Condrobs e. V. Teil der Gedenkfeier zum bundesweiten Aktionstag. Unter dem Motto „Ruhe, Abschied, Umdenken, Miteinander“ soll bereits am Freitag, 19. Juli, ab 13 Uhr auf dem Königsplatz der Menschen gedacht werden, die ihr Leben durch ihre Abhängigkeitserkrankung verloren haben.