Ein Jahr „Streetwork im Netz“

Wie erreicht man Jugendliche heute?

STREETWORK – WAS IST DAS?
Streetwork ist gesetzlich verankert. Es ist ein Jugendhilfeangebot für junge Menschen mit sozialen Benachteiligungen und individuellen Beeinträchtigungen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten. Ziel der Streetwork ist Prävention, (Re-)Integration und Teilhabe: Die jungen Menschen haben ein Recht auf Förderung und Erziehung, um sich zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu entwickeln.

WARUM „STREETWORK IM NETZ“?
Information und Kommunikation haben sich im Alltag Jugendlicher und junger Erwachsener in weitere öffentliche Räume, nämlich Social-Media-Plattformen und über Messenger, etabliert. ConAction, die Jugend-Streetwork-Einrichtung von Condrobs, geht seit dem vergangenen Jahr mit „Streetwork im Netz“ auf Jugendliche im Internet zu. Das Fazit: Streetwork im Internet funktioniert und zeigt Erfolge.

NEUE WEGE
Die Sozialarbeiter*innen von Condrobs recherchierten intensiv Chaträume und Foren und schalteten sich aktiv ein. Vier meist regional auf München begrenzte Chaträume identifizierten sie als wichtige Foren, in denen weit über 23.000 Jugendliche erreicht werden. Bei ihren wiederholten Einsätzen waren die Streetworker*innen bereits einigen Jugendlichen im Chat bekannt. Es entwickelten sich in mehr als der Hälfte der Chat-Beteiligungen Gespräche mit Jugendlichen, in denen Sozialarbeiter*innen im gesicherten Condrobs-Chatbereich informieren, beraten oder an weitere Institutionen vermitteln konnten.

GUTER DRAHT ZU JUNGEN MENSCHEN
ConAction-Einrichtungsleiter Kay Mayer berichtet: „Die Anonymität der Chaträume senkt die Hemmschwelle der Kommunikation, die sehr offen und direkt ist. Wenn die Streetworker*innen regelmäßig präsent sind, können sie ein Vertrauensverhältnis aufbauen: Die jungen Menschen sind im Chat auch offen für Beratung und Hilfestellung zu ihren Problemen und Fragen.“ Darüber hinaus sind Streetworker*innen im Netz ebenso schnell wie die Jugendlichen über neue Suchtmittel, Konsumformen oder Veränderungen in der Social-Media-Kommunikation auf dem Laufenden – Voraussetzung dafür, um geeignete Hilfsangebote machen zu können.

Mayer ergänzt: „Wir haben mit dem Projekt erstmals junge Menschen erreicht, die sich kaum oder überhaupt nicht mehr im öffentlichen Raum aufhalten. Des Öfteren berichteten uns die Jugendlichen, dass sie sich nach der Schule sofort in den Chat einloggen und bis abends oder nachts aktiv bleiben. Mit Streetwork im Netz können wir also frühzeitig beispielsweise zu suchtgefährdeten oder psychisch labilen jungen Menschen Kontakt aufnehmen und Hilfen aufzeigen, die wir mit der klassischen Streetwork nicht mehr erreichen. Insbesondere zu jungen Menschen, die NPS (neue psychoaktive Substanzen) konsumieren, können wir online Kontakt aufnehmen.“

SINNVOLLE PRÄVENTION
„Das Konzept von Streetwork im Netz hat sich bestätigt: ConAction konnte durch die Arbeit in Chats und auf Social Media eine große Zahl junger Menschen auch präventiv auf Hilfsangebote aufmerksam machen“, erläutert Birgit Treml, stellv. Geschäftsführerin Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene: „Die Arbeit in den Chats ist sehr aufwendig, die Zahl der Wiedererkennungen und echten Beratungen aber zeigt deutlich, dass der Nutzen den Aufwand rechtfertigt. Die kommunale Förderung, die für zunächst zwei Jahre gewährt wird, deckt das leider nicht vollständig ab. Die Weiterführung des Projekts hängt von Spenden ab.“

STREETWORK DER ZUKUNFT
Das Projekt ist ein Modell für zukunftsorientierte aufsuchende Arbeit, die in der Stadt München als Vorreiter in diesem Arbeitsfeld umgesetzt wird. Treml betont: „Streetwork im Netz und die damit verbundene Arbeit auf Social Media hat sich aus unserer Sicht als unabdingbar herausgestellt: Ein lebensweltorientiertes Angebot wie Streetwork muss sich hier präsentieren und aktiv werden. Die weitere finanzielle Förderung solcher digitaler Hilfsangebote für junge Menschen ist unbedingt notwendig.“

 

Ein Praxisbeispiel:

Die 15-jährige Conny* trifft der Condrobs-Streetworke