Gewalt gegen Frauen*: Ein gesellschaftliches Problem – und unser Auftrag

28. November 2025

Einen Monat lang wurde die „Gegen Gewalt. Für mich. Und für dich.“-Kampagne auf den Condrobs Social-Media-Kanälen und auf der Condrobs-Website ausgespielt. Ziel war es, Gewalt gegen Frauen* als das gesellschaftliche Problem sichtbar zu machen, das es ist – und nicht als isoliertes oder privates Randthema. Mehr als 171.000 Menschen in Deutschland waren 2024 von Partnerschaftsgewalt betroffen, nahezu 80 Prozent davon Frauen*. Diese erschreckende Zahl zeigt, wie dringend die Gesellschaft über diese Realität sprechen muss. Die Kampagne wollte die unsichtbare Gewalt in unseren Strukturen aufdecken und die Themen ansprechen, die oft verdrängt werden.

Mehr dazu im Video-Statement von Laura im Rahmen der Social-Media-Kampagne. Sie teilt ihre Geschichte, um anderen Frauen* Mut zu machen, den ersten Schritt zu gehen und zu sprechen.

Gewalt als gesellschaftliches System verstehen

Unser Positionspapier zeigt deutlich: Gewalt gegen Frauen* ist kein einzelner Vorfall, sondern Ausdruck von Machtstrukturen, die tief in unserem Alltag liegen. Gewalt passiert oft im privaten Umfeld, bleibt lange unbemerkt und wird von Täter*innen durch Kontrolle und Abhängigkeiten aufrechterhalten. Die Kampagne machte deutlich, dass wir Gewalt nur dann wirksam bekämpfen können, wenn wir sie als System und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen.

Mehr dazu im Video-Statement von Anne Lubinski, Gesundheitsmanagement, BEM & Inklusionsbeauftragte von Condrobs, im Rahmen der Social-Media-Kampagne.

Prävention beginnt früh – und betrifft uns alle

Ein weiteres Ziel der Kampagne war es, die Bedeutung frühzeitiger Prävention zu unterstreichen. Kinder und Jugendliche müssen lernen, Geschlechterrollen kritisch zu hinterfragen, Konflikte gewaltfrei zu lösen und Grenzen zu respektieren. Schulen, Jugendzentren und soziale Einrichtungen spielen hierbei ebenso eine Schlüsselrolle wie Familien und Nachbarschaften. Prävention ist mehr als Aufklärung im Krisenfall: sie bedeutet Haltung, Bildung und Aufklärung nicht erst im Krisenfall, sondern von Anfang an.

Mehr dazu im Beitrag Präventionsarbeit für jungen Menschen: Hinschauen, Grenzen wahren, Haltung zeigen

Jungen und Männer* als Teil der Lösung

Da rund 80 Prozent der Täter Männer* sind, braucht es präventive Angebote speziell für Jungen und Männer*. Das Positionspapier fordert mehr Bildungsräume, in denen Jungen alternative Rollenbilder kennenlernen, Verantwortung übernehmen und Konflikte ohne Gewalt lösen können. Wir wollen mit unseren öffentlichen Positionierungen dazu beitragen, dieses Bewusstsein zu stärken und die Verantwortung nicht ausschließlich bei Betroffenen zu verorten.

Hilfesysteme zugänglich machen

Ein wichtiger Bestandteil der Kampagne war die Forderung nach barrierefreien Zugängen zu Schutz und Beratung. Besonders Frauen* mit Fluchterfahrung, mit Behinderungen, in prekären Lebenslagen, in jungen Altersgruppen und auch Trans*frauen finden oft keinen Zugang zu bestehenden Hilfsangeboten. Das Positionspapier fordert: Hilfe muss sofort, unbürokratisch und ohne Bedingungen erreichbar sein.

Ein Beispiel dafür ist die Arbeit in den Condrobs-Familienzentren: Schutzraum Familienzentrum: Wenn das Zuhause Angst macht
Oder in der Unterkunft für geflüchtete Frauen* mit Kindern: Chance auf Heilung

Der politische Auftrag: Die Istanbul-Konvention umsetzen

Deutschland ist rechtlich verpflichtet, Gewalt gegen Frauen* effektiv zu bekämpfen. Die Istanbul-Konvention schreibt Prävention, Schutz und konsequente Strafverfolgung vor. Doch trotz dieser Verpflichtung bestehen nach wie vor Lücken zwischen Anspruch und Umsetzung. Die Kampagne erinnerte daran, dass Gewaltschutz nicht nur politischer Wille, sondern ein verbindlicher Auftrag ist, den Bund, Länder und Kommunen erfüllen müssen.

Wir bedanken uns für die Unterstützung der Stadt München bei der Entwicklung von Paritätische Kooperation Frauen*haus: Raum für Frauen*, die niemand sieht

Zusammenhang zwischen Gewalt und Sucht

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen und Sucht. Viele Frauen*, die Unterstützung bei Condrobs suchen, haben Gewalt erlebt und nutzen Drogen oder Alkohol, um ihre Traumata zu bewältigen. Das Positionspapier macht deutlich: Eine Sucht ist oft das Ergebnis eines langen Leidensprozesses, keine moralische Schwäche. Nur wenn wir die Ursachen verstehen, können wir wirksam helfen.

Mehr zu diesem Thema bietet die Geschichte einer Bewohnerin bei Prima Donna.

Gewaltschutz umfassend denken

Die Kampagne war ein Weckruf: ein Appell, hinzusehen, Verantwortung zu übernehmen und geschlechtsspezifische Gewalt nicht länger zu ignorieren. Alle Fakten, Analysen und politischen Forderungen finden sich im ausführlichen Positionspapier „Gewalt gegen Frauen*“, das die nötigen Schritte für umfassenden Gewaltschutz beschreibt.

Positionspapier „Gewalt gegen Frauen*“ (pdf; 1,2 MB)

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