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Nachhaltigkeitstag 2026: Ressourcen schonen, Menschen stärken

Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad am vergangenen Mittwoch war der Marienplatz fest in der Hand des Hochsommers. Doch zwischen Einkaufstüten und Eisbechern blieben viele Passant*innen stehen, schauten genauer hin und kamen ins Gespräch. Vier Stunden lang, von 13 bis 17 Uhr, zeigten soziale Betriebe und Projekte aus der ganzen Stadt unter dem Motto „Recycling verbindet: Teilhabe durch Nachhaltigkeit!“, dass Ressourcenschutz und soziale Teilhabe zusammengehören. Die Schirmherrschaft hatte Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause übernommen.

Die Hitze war dabei mehr als Kulisse: Jeder Sommer, der heißer ausfällt als der letzte, macht den schonenden Umgang mit Rohstoffen dringlicher. Dank der Teams vor Ort wurden Interessierten Nachhaltigkeit und Ressourcenerhaltung nähergebracht.

Vom Elektroschrott zur neuen Perspektive

Im Zentrum stand eine einfache Frage: Was passiert mit alten Elektrogeräten, ausrangierten Fahrrädern und gebrauchten Dingen? Besucher*innen konnten der manuellen Zerlegung von Elektroaltgeräten zusehen, ein Verfahren mit besonders hoher Recyclingquote. Dahinter steckt mehr als Materialverwertung: Menschen, die es auf dem regulären Arbeitsmarkt schwer haben, finden hier eine sinnvolle Aufgabe und einen Weg zurück in feste Strukturen.

Condrobs ConJob [1] machte das greifbar. Der soziale Beschäftigungsbetrieb für Elektroschrottrecycling, Datenlöschung und Remarketing bietet rund 100 Menschen Beschäftigung und Qualifizierung, begleitet von sozialpädagogischer Unterstützung. In den vergangenen Jahren hat ConJob seine Verwertungskapazitäten nahezu verdoppelt. Einen anderen Zugang zeigte der Condrobs Spendenladen & Secondhand [2] aus der Emanuelstraße: „Spenden. Stöbern. Gutes tun.“ Gut erhaltene Sachspenden bekommen eine zweite Chance, Menschen mit Suchterfahrung eine stabilisierende, sinnstiftende Tätigkeit.

Viele Betriebe, ein gemeinsamer Ansatz

Die Bandbreite der Beteiligten zeigte, dass dieser Weg kein Einzelfall ist. anderwerk [3]brachte seine Lernstatt Recycling mit, in der Elektro-Altgeräte demontiert und Rohstoffe zurückgewonnen werden und Menschen nach langer Arbeitslosigkeit verlässliche Tagesstruktur finden. Der Dynamo Fahrradservice Biss e.V. [4]verbindet seinen Fahrradladen mit Recyclingwerkstatt und beruflicher Bildung. Der Erfindergarden [5]war mit zwei Projekten vertreten: MachsGanz [6]vermittelt jungen Erwachsenen handwerkliche Fähigkeiten, die Werkzeugbibliothek [7]macht Leihen einfacher und günstiger als Kaufen. Die h.alle – atelier&repaircafé [8] aus dem International Munich Art Lab (IMAL [9]) am Leonrodplatz stand für kreatives, generationsübergreifendes Reparieren und Upcycling. Und die Regenbogen Arbeit gGmbH [10] brachte über 30 Jahre Erfahrung als Inklusionsfirma ein, die Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung schafft. Mehrere der beteiligten Betriebe, darunter ConJob, der Dynamo Fahrradservice und anderwerk, sind Förderprojekte des Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms [10] (MBQ [11]), mit dem die Landeshauptstadt München über das Referat für Arbeit und Wirtschaft berufliche Teilhabe für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt fördert.

Flankiert wurde der Tag vom Referat für Klima- und Umweltschutz mit Mitmachformaten und Infos rund um Re:lektro, vertreten durch Re:think München [12] und die Circular Economy Koordinierungsstelle. Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM [13]) war mit ehrenamtlichen Abfallberater*innen und einem Müllquiz vor Ort, Circular Munich [14] mit seinem Netzwerk für die zirkuläre Stadt.

Umwelt- und Sozialpolitik zusammengeführt

Was am Marienplatz zu sehen war, ist Münchens Antwort auf zwei wachsende Probleme zugleich: steigende Müllmengen und Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keinen Platz finden. Reparatur statt Wegwerfen, Wiederverwendung statt Neukauf, kombiniert mit Beschäftigung, die Sinn stiftet. Damit fügt sich der Aktionstag in die Zero-Waste-Strategie der Landeshauptstadt München ein, die bis 2035 die Abfallmengen senken und Wiederverwendung, Reparatur und Recycling konsequent stärken will.

Dass all das an einem der heißesten Tage des Jahres stattfand, war am Ende kein Hindernis, sondern passte zum Anliegen.