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Positionspapier zur Nutzung digitaler Medien und Social Media

Junge Menschen im digitalen Raum schützen und stärken

Digitale Medien und soziale Netzwerke prägen heute den Alltag von Kindern und Jugendlichen. Social Media ist Kommunikationsraum, Informationsquelle, Ort der Identitätsentwicklung und gesellschaftlichen Teilhabe zugleich. Gleichzeitig zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse deutlich: Junge Menschen sind besonders anfällig für manipulative Plattformmechanismen, problematische Nutzungsmuster und suchtähnliche Entwicklungen.

Condrobs e. V. sieht deshalb dringenden politischen und gesellschaftlichen Handlungsbedarf. Medienkompetenz, Prävention und Schutz im digitalen Raum müssen als zentrale Aufgaben des Kinder-, Jugend- und Gesundheitsschutzes verstanden werden. Jugendliche brauchen Begleitung im digitalen Raum – nicht Isolation. Ziel ist eine digitale Teilhabe, die Schutz, Befähigung und gesunde Entwicklung miteinander verbindet.

Kinder und Jugendliche beteiligen

Kinder und Jugendliche müssen aktiv an gesellschaftlichen und politischen Diskussionen über digitale Medien beteiligt werden. Ihre Erfahrungen und Perspektiven sind unverzichtbar, um wirksame und lebensnahe Regelungen zu entwickeln. Digitale Teilhabe gehört heute zu einem gelingenden Aufwachsen dazu. Gleichzeitig braucht Teilhabe verbindliche Schutzmechanismen. Deshalb müssen Schutz, Mitbestimmung und Befähigung gemeinsam gedacht werden.

Condrobs e. V. setzt sich dafür ein, junge Menschen nicht nur als zu Schützende, sondern als aktive Mitgestaltende digitaler Räume wahrzunehmen.

Social Media braucht klare gesetzliche Grenzen

Soziale Netzwerke arbeiten vielfach mit algorithmisch gesteuerten Mechanismen, die Aufmerksamkeit binden und Nutzungszeiten verlängern. Dazu gehören sogenannte „Dark Patterns“, endlose Feeds, personalisierte Inhaltsvorschläge, Autoplay-Funktionen oder suchtfördernde Elemente in digitalen Spielen.

Kinder und Jugendliche können diese Mechanismen aufgrund ihres Entwicklungsstandes nur eingeschränkt reflektieren und kontrollieren. Deshalb fordert Condrobs e.V. verbindliche gesetzliche Regelungen zum Schutz Minderjähriger.

Condrobs e. V. fordert:

Bestehende gesetzliche Grundlagen wie DSGVO, DSA und Jugendschutzgesetz müssen konsequent umgesetzt und kontrolliert werden. Plattformbetreiber müssen stärker in die Verantwortung genommen und Verstöße wirksam sanktioniert werden.

Altersgerechte Nutzung sozialer Medien

Condrobs e. V. spricht sich für altersgestufte Zugangsregelungen aus, die Entwicklungsrisiken berücksichtigen und gleichzeitig digitale Teilhabe ermöglichen.

Forderungen zur Nutzung sozialer Medien

0–10 Jahre

Keine Nutzung sozialer Medien.

11–14 Jahre

Nur eingeschränkte Nutzung direkter Nachrichtendienste ohne algorithmische Inhaltsvorschläge und ausschließlich innerhalb eigener Kontakte.

15–17 Jahre

Begleitete und erweiterte Nutzung sozialer Medien unter klaren Schutzvorgaben:

Ab 18 Jahren

Freier Zugang.

Plattformen müssen Verantwortung übernehmen

Das Problem sind nicht junge Menschen, sondern vielfach die Geschäftsmodelle digitaler Plattformen. Anbieter sozialer Netzwerke und digitaler Spiele müssen verpflichtet werden, Produkte so zu gestalten, dass sie Entwicklung, Kreativität und Selbstbestimmung fördern – statt Aufmerksamkeit maximal zu binden.

Condrobs e.V. fordert:

Digitale Produkte für Kinder und Jugendliche müssen sich am Kindeswohl orientieren – nicht an maximaler Nutzungsdauer.

Prävention muss strukturell abgesichert werden

Prävention internetbezogener Störungen darf nicht von einzelnen Projekten oder kurzfristigen Förderungen abhängen. Notwendig sind dauerhaft finanzierte Strukturen in Schule, Jugendhilfe und Gesundheitswesen.

Condrobs e. V. fordert:

Medienkompetenz ist ein zentraler Schutzfaktor gegen Suchtentwicklung, Manipulation, Desinformation und digitale Gewalt.

Eltern und Erziehungsberechtigte stärken

Medienerziehung ist Teil von Erziehung. Eltern und Erziehungsberechtigte tragen eine zentrale Verantwortung für ein gesundes Aufwachsen mit Medien. Sie sind Vorbilder, Begleitende und häufig selbst Lernende im digitalen Wandel. Deshalb benötigen Familien leicht zugängliche, wissenschaftlich fundierte und kostenfreie Unterstützungsangebote.

Condrobs e. V. fordert:

Schulen brauchen verbindliche Standards

Empirische Befunde zeigen Zusammenhänge zwischen intensiver Smartphone-Nutzung und Einschränkungen von Aufmerksamkeit, Lernleistung und Schlafqualität. Deshalb braucht es bundesweit verbindliche Regelungen für den Umgang mit digitalen Medien im Schulalltag:

Digitale Bildung darf nicht allein technische Ausstattung bedeuten. Entscheidend sind pädagogische Konzepte, Prävention und ausreichend qualifiziertes Personal.

Öffentliche Räume und echte Alternativen schaffen

Digitale Mediennutzung steht immer auch im Zusammenhang mit den realen Lebensbedingungen junger Menschen. Kinder und Jugendliche brauchen attraktive analoge Freizeit- und Begegnungsräume.

Condrobs e. V. fordert deshalb deutlich stärkere Investitionen in:

Prävention gelingt nicht allein durch Verbote oder Bildschirmbegrenzung, sondern durch echte Teilhabe, soziale Beziehungen und attraktive Alternativen im Alltag.

Hilfeangebote müssen ausgebaut werden

Problematische Mediennutzung und Internetnutzungsstörungen nehmen bei Kindern und Jugendlichen messbar zu. Betroffene junge Menschen und ihre Familien benötigen frühzeitige und verlässliche Unterstützung.

Condrobs e. V. fordert:

Internetnutzungsstörungen sind als ernstzunehmende gesundheitliche Problematik anzuerkennen und entsprechend zu behandeln.

Fazit

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf digitale Räume, die Schutz, Teilhabe und eine gesunde Entwicklung gewährleisten. Dieses Recht muss politisch konsequent abgesichert und umgesetzt werden.

Condrobs e. V. fordert daher einen verbindlichen, ressortübergreifend abgestimmten Handlungsrahmen:

Zugleich besteht akuter Handlungsbedarf beim Ausbau spezialisierter Versorgungsstrukturen:

Für schwer von Social Media-, Computer- und Mediensucht betroffene junge Menschen braucht es verbindlich finanzierte, qualitätsgesicherte aufsuchende Angebote, sowie ausreichend stationäre Betreuungs- und Behandlungsplätze. Diese dürfen nicht länger Lücken im System bleiben, sondern müssen als integrale Bestandteile der Regelversorgung etabliert werden.

Nur wenn Schutz, Bildung, Teilhabe und spezialisierte Hilfen politisch priorisiert, strukturell verankert und verlässlich finanziert werden, lassen sich die Risiken digitaler Lebenswelten wirksam begrenzen und Entwicklungschancen nachhaltig sichern.

Quellen und fachliche Grundlagen

 

Positionspapier herunterladen (pdf; 1,10 MB) [1]