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REITOX-Bericht 2025: Komplexer Drogenkonsum braucht stabile Hilfen

Der neue REITOX-Jahresbericht 2025 [1] macht deutlich: Die Situation ist komplexer geworden. Der Drogenkonsum in Deutschland bleibt insgesamt relativ stabil, doch die Risiken nehmen zu. Besonders alarmierend ist der Trend zum Mischkonsum. In fast 80 Prozent aller Drogentodesfälle im Jahr 2024 wurden mehrere Substanzen gleichzeitig nachgewiesen.

Wenn verschiedene Drogen kombiniert werden, sind die Wirkungen schwer berechenbar. Überdosierungen werden wahrscheinlicher, Notfälle komplexer. Hinzu kommt: Der Anteil junger Menschen unter 29 Jahren an den Drogentoten ist gestiegen. Das ist ein klares Warnsignal.

Stabile Strukturen, um Belastungen abzumindern

Der Bericht beschreibt deutliche Veränderungen auf dem Drogenmarkt. Die Reinheit von Heroin im Großhandel ist stark gesunken – von 32,5 Prozent im Jahr 2023 auf nur noch 11,3 Prozent im Jahr 2024. Das bedeutet: Die Gefahr von gefährlichen Streckmitteln steigt. Besonders problematisch sind neue synthetische Opioide, die extrem stark wirken und schon in kleinen Mengen tödlich sein können. Solche Stoffe wurden zuletzt sogar in gefälschten Tabletten [2] gefunden, die wie legale Medikamente aussehen.

Gleichzeitig bleibt Kokain weiterhin sehr gut verfügbar. In offenen Drogenszenen – auch in Großstädten wie München – gewinnt Crack spürbar an Bedeutung. Damit steigen die gesundheitlichen Risiken und die Belastung für Suchthilfe, Rettungsdienste und Kliniken deutlich. Aus dieser Entwicklung ergibt sich unmittelbar die Notwendigkeit, soziale und medizinische Hilfsangebote dauerhaft und verlässlich zu finanzieren. Nur stabile Strukturen ermöglichen es, auf diese Dynamik angemessen zu reagieren.

Cannabis: Rückgang – aber kein Grund zur Entwarnung

Mit Blick auf Cannabis zeigt der Bericht ein differenziertes Bild. Befürchtungen, die Teillegalisierung würde unmittelbar zu einem starken Konsumanstieg führen, bestätigen sich in den aktuellen Zahlen nicht. Unter Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren ist der Konsum zuletzt sogar leicht zurückgegangen. Die 12-Monats-Prävalenz lag 2023 bei 6,7 Prozent. Auch bei jungen Erwachsenen ist ein leichter Rückgang zu beobachten

Das ist ein wichtiges Signal: Die Entkriminalisierung und gesetzliche Regulierung bedeuten nicht mehr Konsum. Gleichzeitig konsumieren jedoch weiterhin 9,8 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren Cannabis.

Für Bayern bedeutet das: Regulierung muss mit konsequentem Jugend- und Verbraucherschutz verbunden sein. Dazu gehören klare Werbeverbote [3], und zwar nicht nur für Cannabis, sondern ebenso für Tabak, Alkohol und Glücksspiel. Werbung wirkt besonders stark auf junge Menschen. Wer Jugendschutz ernst nimmt, muss hier substanzübergreifend handeln.

Hilfe muss gesichert sein

Der REITOX-Jahresbericht zeigt, dass sich die Präventionslandschaft nach den pandemiebedingten Einschränkungen wieder stabilisiert. Gleichzeitig arbeiten viele Suchtberatungsstellen bundesweit mit unsicheren Budgets und fehlender Planungssicherheit.

Auch in Bayern ist die Finanzierung vieler Angebote nicht langfristig abgesichert. Eine nachhaltige Suchtpolitik braucht deshalb zwei Elemente: wirksame Regulierung und eine konsequente Reinvestition der Einnahmen in Prävention und Hilfen. Gesundheitsökonomisch sinnvolle Maßnahmen wie Mindestpreise pro Alkoholeinheit sowie höhere Verbrauchssteuern auf Alkohol, Tabak, Nikotin, Cannabis und Glücksspiel können Marktanreize korrigieren und gesellschaftliche Folgekosten stärker berücksichtigen. Gleichzeitig schaffen sie die finanzielle Grundlage [4] für stabile Hilfestrukturen – auch für soziale Träger wie Condrobs und das gesamte Suchthilfesystem in Bayern.

Suchthilfe Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge

Aus Sicht von Condrobs ist klar: Prävention ist unverzichtbar – und sie muss ausreichend und dauerhaft finanziert sein. Darüber hinaus braucht es ebenso starke und verlässlich abgesicherte Hilfeangebote. Niedrigschwellige Kontaktläden, ambulante Beratung, Substitutionsangebote und aufsuchende Arbeit sind zentrale Bausteine des Gesundheitsschutzes in Bayern. Wenn Mischkonsum zunimmt und neue Substanzen schneller auftauchen, muss das Hilfesystem flexibel und stabil zugleich sein. Projektmittel und kurzfristige Förderzusagen reichen dafür nicht aus. Suchthilfe ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und muss entsprechend verlässlich finanziert werden.

Condrobs fordert entschlossenes Handeln in Bayern

Condrobs setzt sich für konkrete Maßnahmen ein: Eine flächendeckende Verfügbarkeit von Naloxon, den dringend notwendigen Aufbau von Drogenkonsumräumen und rechtssicherem Drug Checking sowie eine klare Stärkung von Prävention und Jugendschutz. Ebenso entscheidend ist eine dauerhafte, auskömmliche Finanzierung der Suchthilfeangebote in München und Bayern.

Der REITOX-Bericht liefert die Daten. Jetzt braucht es politische Konsequenzen. Weniger Konsum allein schützt nicht vor Risiken. Entscheidend ist, Leben zu retten, junge Menschen zu schützen und Hilfesysteme so auszustatten, dass sie auch in Zukunft tragfähig bleiben.