Aktionstag Substitution am 05.05.2021

5. Mai 2021

„100.000 Substituierte bis 2022“

PRESSEMITTEILUNG
der Jugend- und Drogenberatung, Condrobs e.V  und SUPRA
zum bundesweiten „Aktionstag Substitution“ am 5. Mai 2021 unter dem Motto
 „100.000 Substituierte bis 2022“
In Deutschland sind mindestens 160.000 Menschen von Opioiden – meist Heroin – abhängig. Etwas weniger als die Hälfte von ihnen macht derzeit eine Drogenersatztherapie. Diese Therapie, auch Substitution genannt, ist in Kombination mit der psychosozialen Betreuung die häufigste Behandlungsart bei Opioidabhängigkeit. Obwohl wissenschaftliche Daten die positiven Auswirkungen der Behandlung belegen, hat Deutschland, im europäischen Vergleich, eine deutlich geringere Behandlungsquote. Zum Vergleich – In Frankreich, Spanien und Norwegen liegt diese bei etwa 85 Prozent.
Auch in Würzburg und Umgebung können bisher längst nicht alle Abhängigen behandelt werden. Die Jugend- und Drogenberatung geht von ungefähr 450 Personen aus, lediglich 235 davon werden aktuell von drei Schwerpunktpraxen und einigen wenigen Hausärzt*innen wegen ihrer Abhängigkeit behandelt. Nun will eine Kampagne die Quote erhöhen.
Jeden Morgen trinkt Stefan K.  nach dem Aufstehen zum Frühstück eine Tasse Tee und schluckt dazu 6 ml Saft. Wenn er vergisst, den Saft zu nehmen, meldet sich sein Körper spätestens am nächsten Tag mit Schüttelfrost und Gliederschmerzen.
Der Würzburger konsumiert seit über 20 Jahren Methadon – ein Ersatzmittel für Heroin. Rauschzustände bekommt Herr K. davon nicht. Er sagt: „Das Methadon macht mich leistungsfähig und nicht dicht. So kann ich arbeiten und leben, wie andere Menschen auch.“  Er hat mittlerweile Frau und zwei Kinder und seit über sieben Jahren einen festen Job. Einmal die Woche geht er zu seinem behandelten Arzt und auch regelmäßig zur Drogenberatung. Ohne die Drogenersatztherapie wäre er gezwungen, wie am Anfang seiner Sucht, sich die Substanzen illegal zu beschaffen. Ein Arbeiten wäre dann nicht möglich. Für viele ist die Substitutionstherapie eine Chance, dem Teufelskreis aus Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität zu entkommen.
Leider gibt es in ganz Deutschland zu wenig Behandlungsplätze. Mit der Kampagne „100.000 Substituierte bis 2022“ wollen die Deutsche Aidshilfe, der Akzept-Bundesverband und das Selbsthilfenetzwerk JES die Substitution in Deutschland vorantreiben. Bis 2022 sollen mindestens 60 Prozent der Opioid-Abhängigen behandelt werden – ein ehrgeiziges Ziel.
Es herrscht immer noch eine große Skepsis gegenüber dieser Behandlungsmethode. In Deutschland führte dies zunächst zu einem sehr strengen Regelwerk – das sowohl Ärzte als auch Opioid-Abhängige vor der Therapie zurückschrecken ließ. Vor zweieinhalb Jahren traten neue Richtlinien des Substitutionsrechts in Kraft. Vieles läuft nun unkomplizierter. Gerade für Hausärzt*innen ist vieles einfacher geworden.
So dürfen stabile Patient*innen ihr Substitutionsmittel entweder mit nach Hause nehmen und dort selbst einnehmen oder sie können sich für eine Medikation mit einem Depotsubstitut entscheiden. Außerdem gibt es durch die Veränderungen mehr Rechtssicherheit für Ärzt*innen und die Möglichkeit, Patient*innen individueller zu behandeln.

Zum Aktionstag am 05.05.2021.

Die Drogenhilfe in Würzburg unterstützt dieses Vorhaben und möchte zum bundesweiten „Aktionstag Substitution“ am 5. Mai 2021 mit einer Plakataktion rund um das Kontaktcafé „Flow“ in der Rüdigerstraße 3 und der Jugend- und Drogenberatung in der Kapuzinerstraße 19 dafür werben, dass mehr Ärzte*innen in Würzburg und Umgebung opiatabhängige Menschen behandeln. Darüber hinaus wird das Kontaktcafé an diesem Tag das Thema Substitution für ihre Besucher*innen in den Fokus stellen und zahlreiche Informationen  und Broschüren weitergeben.
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Eine weitere Veranstaltung zum Aktionstag Substitution findet in München statt:
„Sprechstunde Substitution“ 05.05.2021, 10:00-12:00
Beratung für interessierte Betroffene und Angehörige zu Fragen rund um die Substitution sowie unserer Angebote
Gabi Lauck, Dipl. Soz. Päd., Drogenberatung München
089 38837674
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