Malen mit Meer

Die Ferienfreizeit der Einrichtung easyContact – Betreutes Wohnen für junge Erwachsene im Juli 2020 auf der Ostseeinsel Hiddensee war der Auftakt für ein Kunstprojekt für Menschen mit Suchterkrankung. Das Projekt lief unter der Bezeichnung – „Malen mit Meer“.

Unter der Begleitung und Betreuung von Joergen Degenaar, Inhaber der Galerie „DER PANTHER“ – fine art und ausgestattet mit Leinwänden, Farben und Pinseln begab sich unsere Gruppe am 08.06 an den Strand nahe der Ortschaft Klosters. Zunächst gab es eine kurze Einführung in die zu verwendende Technik, sowie die verschiedenen Möglichkeiten, Naturmaterialien in die Gestaltung einfließen zu lassen. Nach kurzer Einweisung und Motivation begannen alle Klienten*innen umgehend ihre Leinwände tatkräftig und auch völlig ungehemmt zu bearbeiten.

Ganz bewusst sollten die jungen Erwachsenen abstrakt und expressiv malen. Sie setzten Strandmaterialien und Meerwasser als Hilfsmittel ein, um den Bildern ihre einzigartige Charakteristik zu verleihen.

Im Alltag fällt es suchtkranken Menschen besonders schwer, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und diese bis zu Ende durchzuführen. Bei diesem Projekt fassten viele aber jede Menge kreative Energie und freuten sich, mit eigenen Händen etwas zu schaffen.

Immer mehr Passanten blieben stehen und bewunderten die Kunstwerke in ihren Entstehungsprozessen. Auch dies war für viele eine völlig neue und ungewohnte Erfahrung, die sie stolz machte und sie sichtlich in ihrem Selbstwert wachsen ließ. Eine positive Rückmeldung und unvoreingenommener Kontakt zu Fremden erleben die Klienten*innen in ihrem Alltag nur selten.

Im Fokus dieses Kunstprojekts stand vor allem das eigene Tun und Erleben, welches zu wichtigen Lernerfahrungen führt und der Stärkung von Selbstkompetenzen und Selbstbewusstsein dient. Die Klienten*innen wurden eingeladen, Unbekanntes auszuprobieren, Grenzen auszutesten und neue Wege zu gehen.

Unermüdlich arbeitete jede*r am eigenen Werk und überlegte gemeinsam mit dem unterstützenden Künstler, was dem Bild noch fehle. Einige hielten die Leinwand mehrere Male in die Wellen und erschufen so unterschiedliche Ebenen in ihrem Bild. Andere nutzen was ihnen die Natur vor die Füße legte, wie Stöcke, Sand oder Algen, um ihrem Bild eine besondere Struktur zu geben.

Schließlich wurden die Bilder am Strand ausgestellt und gemeinsam begutachtet. Joergen kommentierte jedes einzelne Werk und hob dessen Besonderheiten hervor. Die Gruppe zeigte sich begeistert über die selbst erschaffenen Kunstwerke, die da im Laufe des Tages hervorgebracht wurden. Ganz im Sinne von Joseph Beuys – Jeder Mensch ist ein Künstler, Alles ist Kunst – erlebten sie sich als Kunstschaffende, kehrten mit stolzgeschwellter Brust und gestärktem Selbstbild in die Unterkunft zurück.

Die bei diesem Kunstprojekt auf der Insel Hiddensee entstandenen 15 Werke. Sie können derzeit in einer Ausstellung in der Emanuelstraße 16 besichtigt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

50 Geschichten: Helfende Hände

50 Geschichten: Helfende Hände

Zum 50-jährigen Jubiläum von Condrobs präsentieren wir 50 Wochen lang je eine Geschichte aus dem Verein. In dieser Geschichte geht es um Susanne, die ihren persönlichen Weg zurück ins Leben erzählt.

mehr lesen
Tag der offenen Tür in Schweinfurt

Tag der offenen Tür in Schweinfurt

In Schweinfurt fand heute ein Tag der offenen Tür statt. Nebst Infos zum dortigen Angebot konnten die Besucher*innen Werke des Projekts „KunstWege – vom Leben gezeichnet“ bewundern sowie einer Musiksession lauschen.

mehr lesen
Fachdiskussion Zusammenhänge von Sucht und Gewalt

Fachdiskussion Zusammenhänge von Sucht und Gewalt

Während der Münchner Aktionswochen gegen Gewalt an Frauen*, Mädchen*, Jungen* und nonbinären Menschen nutzt Condrobs die sich bietende Möglichkeit, durch eine Fachdiskussion auf die Zusammenhänge von Sucht und Gewalt hinzuweisen.

mehr lesen