Zurück ins Leben

Julias Weg aus der Sucht zu VIVA CLARA

„Ich wollt‘ alles von vorne anfangen und die alten Lasten hinter mir lassen.“ Julia ist voller Energie, als wir es uns für unser Gespräch im kleinen Pausenraum des VIVA CLARA Bistros gemütlich machen. Die quirlige Unterschleißheimerin will ihre Geschichte erzählen: Wie Belastung am Arbeitsplatz sie in die Drogensucht trieb, wie ihre Beziehungen diese verstärkten und wie sie schließlich sogar ihre Wohnung verlor. Vor allem aber will sie erzählen, wie sie einen Weg zurück geschafft hat – im Beschäftigungsprogramm von VIVA CLARA.
 
Genuss und Soziales Engagement
 
Aber zuerst kurz zum Hintergrund: Das VIVA CLARA Bistro & Catering von Condrobs ist ein sozialer Betrieb. Hier wird wie in herkömmlichen Gastronomiebetrieben auch gekocht, serviert und auf Veranstaltungen gecatered. Was VIVA CLARA anders macht, ist das Beschäftigungsprojekt: Hier arbeiten etwa 30 Frauen* mit oft schwierigen Lebensgeschichten. Viele konnten nicht mehr am regulären Jobmarkt teilnehmen. Manche kämpften mit Suchtproblemen, manche mit Krankheit oder anderen Erschwernissen. Bei VIVA CLARA finden sie nicht nur eine Beschäftigung, sondern Verständnis,  Wertschätzung und Begleitung.

Plötzlich hatte der Tag 24 Stunden
 
Für Julia waren es die Anstrengungen in ihrem ehemaligen Job bei einer Fast-Food Kette gewesen, die sie zum ersten Mal zu härteren Drogen greifen ließen. „Was zum Wachmachen“, nennt sie das heute. Eine Hilfe, um durch ihre harten Schichten zu kommen. Julia erzählt, wie ihr der Konsum am Anfang gut getan hätte. „Wenn der Tag plötzlich 24 Stunden hat und ich die auch nutzen kann – das hat mir so einen richtigen Kick gegeben.“ Doch diese Phase hielt nicht an. Bald konnte es nicht mehr bei einer Pille zum Arbeiten bleiben, erzählt sie: „Das nimmt schnell Überhand.“
 
„Garnichts tun zu können, hat mich runtergezogen.“
 
Mit abnehmendem Erfolg versuchte Julia ihren Konsum im Job zu verbergen. Es folgte eine Spirale nach unten: Abmahnungen, ihr damaliger Freund zerstört im Drogenrausch die gemeinsame Wohnung, die Kündigung,  Insolvenz. Über die darauffolgende Zeit in der Notunterkunft erinnert sie sich heute: „Garnichts tun zu können hat mich runtergezogen“ – runter und weiter hin zu den Drogen. Doch für Julia war es hier schon klar: „Da muss man einfach raus, das hilft nichts.“
 
Cold Turkey
 
„Das wird ekelhaft, aber ich mach jetzt einen Entzug.“ So kündigte Julia ihrer Mutter und ihrem neuen Freund an, was sie vorhatte. Drei harte Wochen cold turkey, Entzug. „Das sind so Trotzdinger bei mir, wo ich mir selber kleine Aufgaben stelle“, erzählt sie lächelnd. Ärzt*innen und Freund*innen entgegneten aber ihrer Bescheidenheit: Nur mit ihrer besonderer Kraft und Willensstärke war ein solcher Entzug möglich. Viele schaffen ihn nie, das weiß auch Julia.

Neustart ohne Leistungsdruck
 
Die Sucht hatte Julia überwunden. Doch um in ein geregeltes Leben zurückzukehren, fehlten noch immer einige Grundbausteine. Sie war ohne Wohnung, ohne Arbeit und für einen stressigen Job in der Gastronomie fehlte es ihr noch an körperlicher und psychischer Energie. Hier kam VIVA CLARA ins Spiel. Als ihr der soziale Gastronomiebetrieb vorgeschlagen wurde, wusste sie gleich: Das ist die Brücke, die sie suchte! Julia begann hier im Jahr 2015 innerhalb des Beschäftigungsprogrammes wieder zu arbeiten. Schritt für Schritt, in ihrem Tempo. Weg war hier der Leistungsdruck und das Funktionieren-Müssen: „Da hab ich hier einfach den Rückhalt. Ich weiß, dass ich hier Sozialarbeiter hab‘, die wissen, was bei mir los ist und die das auch verstehen.“
 
Verständnis, Wertschätzung und Zusammenhalt
 
VIVA CLARA ist kein gewöhnliches Arbeitsumfeld. Es ist ein geschützter Raum, an dem Frauen* nach ihren Möglichkeiten wieder ins Arbeitsleben einsteigen können, betreut von Sozialarbeiter*innen. Julia erzählt von einem kurzen Rückfall: Nachdem sie an einem Wochenende konsumiert hatte, schaffte sie es nicht zur Arbeit. Sie hatte Angst zuzugeben, was passiert war. Zu Unrecht: Statt mit Drohungen reagierten ihre Vorgesetzten bei VIVA CLARA verständnisvoll und unterstützten sie. Dieses offene Gespräch und die Hilfsbereitschaft bewirkten eine Stabilisierung. Julia erinnert sich: „Die stehen auf deiner Seite, die helfen dir, wenn was ist.“
 
Nach vorne schauen
 
Heute hat Julia einen richtigen Arbeitsvertrag und  hofft, auch endlich ihre eigene Wohnung zu finden. Bei VIVA CLARA möchte sie noch ein bisschen bleiben. Aber auch sie will in Zukunft wieder im regulären Jobmarkt arbeiten können. Bis dahin gibt ihr VIVA CLARA Sicherheit und die Stütze, die sie braucht: „Man hat da auch Leute, die ein Auge auf einen haben.“

Bevor Julia in den wohlverdienten Feierabend geht, richtet sie sich an Menschen wie sie. Menschen, die gerade schwierige Lebensphasen durchstehen. Man muss nicht gleich voll ins Berufsleben einsteigen, es gibt eine Zwischenlösung. „Da sind Condrobs und VIVA CLARA ein guter Punkt dafür, dass man wieder Schritt für Schritt reinkommt und Selbstvertrauen gewinnt.“
 

Wir sagen ein großes Danke an Julia für dieses spannende Gespräch!