Am 18. Juli 2025 feierte ConJob sein 30-jähriges Bestehen. Zahlreiche Gäst*innen verschafften sich einen umfassenden Überblick über die Arbeit des sozialen Beschäftigungsbetriebs von Condrobs und nutzten die Gelegenheit für fachlichen Diskurs. Dabei wurden zentrale Maßnahmen und die positive Wirkung von ConJob für die Integration von Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, aufgezeigt. Der Tag war geprägt von wertschätzenden Grußworten, einem Fachvortrag, einem Interview mit Maßnahmeteilnehmenden, Führungen durch den Betrieb und vielen anregenden Gesprächen, die den Jubiläums-Teilnehmenden wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Arbeitsmarktintegration ermöglichten.
Ein starkes Netzwerk für Integration
Miriam Hansen, Condrobs Abteilungsleitung Arbeits- und Berufsintegration, eröffnete und führte durch die Veranstaltung. Sie zeigte sich erfreut über das große Interesse am Jubiläum und die vielfältige Gästeliste aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.
Den ersten Grußwortbeitrag hielt Thomas Schmid, Stadtrat der Landeshauptstadt München. Er würdigte die langjährige Arbeit von ConJob bei der Jubiläumsveranstaltung als „gesellschaftlich wichtigen Beitrag zur Beschäftigung und Integration von Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind“. Er betonte die besondere Bedeutung des sozialen Betriebs, insbesondere für München: „ConJob verbindet sinnstiftende Beschäftigung mit sozialen Kontakten und stabilisierenden Strukturen – das macht den Erfolg des Projekts aus.“ Zugleich hob Schmid die Rolle von ConJob als verlässlichen Nachhaltigkeitspartner hervor und schloss mit einem Appell: „Seien Sie stolz auf Ihre Arbeit – wir als Landeshauptstadt München sind es auch.“
Dr. Christian Scharpf, Referatsleiter für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München, hob in seinem Grußwort zum 30-jährigen Jubiläum von ConJob die nachhaltige Wirkung des Beschäftigungsbetriebs hervor: „ConJob leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag für Umwelt und Nachhaltigkeit, sondern ermöglicht Menschen in schwierigen Lebenslagen eine selbstbestimmte berufliche Perspektive.“ Besonders betonte er das ganzheitliche Unterstützungsangebot, das über fachliche Qualifizierung hinaus auch Schuldner- und Suchtberatung umfasst. „Was Sie hier geschaffen haben, ist eine klassische Win-win-Situation – für die Betroffenen, für die Stadtgesellschaft und für unsere gemeinsame Zukunft.“
Timo Neudorfer, Leiter der Sozialplanung beim Bezirk Oberbayern, würdigte das 30-jährige Jubiläum von ConJob mit klaren Worten: „Drei Jahrzehnte Engagement für Menschen und Umwelt – eine eindrucksvolle Leistung, auf die Sie mit Stolz blicken können.“ Besonders hob er die Verbindung von sozialer Verantwortung und ökologischem Handeln hervor, sowie die Rolle von ConJob als verlässlicher Partner des Bezirks Oberbayern: „Was ConJob besonders auszeichnet, ist die Verbindung von ökologischem Bewusstsein mit sozialer Verantwortung.“ Er betonte, wie wichtig Teilhabe, Sinnstiftung und das Gefühl, gebraucht zu werden, für Menschen in schwierigen Lebenslagen sind und sprach ConJob hierfür großen Dank und Anerkennung aus.
Florian Eder, Leiter des Sozialbürgerhauses Nord (Jobcenter München), würdigte in seinem Grußwort die langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Condrobs als wichtigen Netzwerk- und Kooperationspartner. Er betonte die gemeinsame Verantwortung für Menschen mit schwierigen Lebenswegen und unterstrich die Bedeutung echter, menschlicher Begleitung: „Was uns verbindet, ist der ganzheitliche Blick auf den Menschen und die Arbeit mit Herzblut – das kann keine künstliche Intelligenz ersetzen.“ Er schloss mit einer afrikanischen Weisheit, die seine Botschaft eindrucksvoll unterstrich: „Wenn du schnell gehen willst, dann geh allein. Wenn du aber weit gehen willst, dann geh gemeinsam mit anderen.“
Frederik Kronthaler, Geschäftsführender Vorstand von Condrobs, erinnerte in seinem Redebeitrag an die soziale und ökologische Relevanz von ConJob: „ConJob ist kein gewöhnlicher Betrieb – es ist ein Ort der zweiten Chancen, ein Ort der Hoffnung.“ Die Beschäftigung von langzeitarbeitslosen Menschen ermöglicht Teilhabe und leiste zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz. Fast 1.900 Tonnen Elektroschrott jährlich werden im für Elektroschrottrecycling zertifizierten Betrieb sortenrein zerlegt, aufbereitet und zur Wiederverwendung oder Wiederverwertung vorbereitet. Kronthaler forderte mehr Unterstützung und Planungssicherheit für soziale Betriebe: „Jeder Euro, den wir in die Sozialarbeit stecken, spart morgen viele andere Kosten und schenkt Menschen Perspektive, Würde und einen Platz in unserer Gesellschaft.“
Fachvortrag: „Ohne Job, ohne Chance, ohne Wert?“ – Ein Blick auf die Chancen und Herausforderungen der Arbeitsmarktintegration
Ein besonderer Programmpunkt der Veranstaltung war der Fachvortrag von Prof. Dr. Lukas Kerschbaumer, Leiter des Bachelorstudiengangs Soziales, Gesundheits- & Public Management an der MCI Internationalen Hochschule GmbH. Prof. Dr. Kerschbaumer zeichnete ein differenziertes, eindringliches Bild der gesellschaftlichen Herausforderungen rund um Langzeitarbeitslosigkeit. Mit einem humorvollen Einstieg und einem zugleich sehr persönlichen Stil schaffte er es, die strukturellen und kulturellen Ursachen von gesellschaftlicher Ausgrenzung und Armut eindrücklich zu beleuchten. Im Zentrum seiner Ausführungen stand der gesellschaftliche und individuelle Wert von Arbeit: Arbeit stifte nicht nur Einkommen, sondern auch Struktur, soziale Kontakte, Sinn und Identität. „Der eine trägt eine Brille, der andere nicht – aber es ist immer der Mensch“, unterstrich er die universelle Gleichwertigkeit unterschiedlicher Lebenslagen. Zugleich kritisierte er die systemische Praxis, Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen wie fehlender Schulbildung, gesundheitlichen Einschränkungen oder Sprachbarrieren für ihre Situation allein verantwortlich zu machen: „Nicht der Kontext wird hinterfragt, sondern vorrangig die betroffene Person“, so seine Mahnung.
Besonders betonte Kerschbaumer die wichtige Funktion der Jobcenter – ebenso wie deren strukturelle Begrenzungen. „Sie könnten mehr leisten, als ihnen aktuell erlaubt ist“, stellte er klar. Sanktionen wirkten seiner Einschätzung nach häufig kontraproduktiv, da sie nicht auf mangelnder Leistungsbereitschaft, sondern auf Überforderung oder Schutzreaktionen beruhten: „Die Leute versäumen Termine nicht aus Böswilligkeit, sondern weil sie damit eine Belastung reduzieren, die sie nicht mehr tragen können.“
Ein überraschender Befund seiner Forschung war zudem, dass es häufig persönliche Beziehungen und soziale Bindungen seien, die Menschen mit mehrfachen Vermittlungshemmnissen den Zugang zu regulärer Beschäftigung ermöglichen. „Es braucht jemanden, der sagt: Ich kenne die Person, ich spreche mit dem Arbeitgeber. Komm mit.“ Kerschbaumer plädierte daher für ein realistisches Verständnis von Arbeitsvermittlung: Nicht die schnelle – und oft wenig nachhaltige – Vermittlung in Arbeit, sondern die Stabilisierung der der individuellen Lebenssituation sei der erste notwendige Schritt für eine langfristige Arbeitsmarktintegration. Sein Fazit: „Langzeitarbeitslose Menschen bringen häufig vielfältige Kompetenzen mit. Sie zeigen sich nur nicht immer zu dem Zeitpunkt, an dem man sie von ihnen erwartet.“ Um tragfähige Perspektiven zu schaffen, brauche es Zeit, Ressourcen und den Mut, von reiner Leistungsorientierung zu einer echten Unterstützungskultur zu wechseln.
ConJob in Aktion – Recycling mit sozialem Mehrwert
Nach dem offiziellen Teil öffnete ConJob seine Türen. In geführten Rundgängen durch die verschiedenen Arbeitsbereiche – von der Elektroschrottverwertung bis zur Datenlöschung– erhielten die Teilnehmenden anschauliche Einblicke in die praktische Umsetzung von sinnstiftender Arbeit und Beschäftigung als wesentliches Element zur persönlichen Stabilisierung und Arbeitsmarktintegration.
Der Tag fand seinen Ausklang bei einem gemeinsamen Essen, zubereitet von VIVA CLARA, einem weiteren sozialen Beschäftigungsbetrieb von Condrobs. In entspannter Atmosphäre kamen Gäst*innen, Unterstützer*innen und Maßnahmeteilnehmende miteinander ins Gespräch. Dieses Zusammensein bildete einen stimmigen Abschluss eines sowohl fachlich bereichernden als auch menschlich verbindenden Tages.
Fazit: Starke Perspektiven – gestern, heute und morgen
Das 30-jährige Jubiläum von ConJob war zugleich ein Ausblick. Die Veranstaltung verband fachlichen Diskurs mit persönlichen Einblicken und zeigte eindrucksvoll, wie Beschäftigung neue Perspektiven eröffnen kann. ConJob wird auch in Zukunft Menschen auf ihrem Weg zurück in den Arbeitsmarkt begleiten – mit langjähriger Erfahrung, fachlicher Kompetenz und innovativen Konzepten. Ein besonderer Dank gilt allen, die zum Gelingen dieses Tages beigetragen haben, insbesondere dem Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm (MBQ), dem Jobcenter München, dem Bezirk Oberbayern sowie der Regierung von Oberbayern für ihre langjährige und wertvolle Unterstützung.
**** Titelfoto v.l.: Hans-Ulrich Pfaffmann (stellv. Aufsichtratsvorsitzender, Condrobs), Florian Eder, Christian Biller (Hausleitung SBH SÜD bei Jobcenter München), Timo Neudorfer, Katrin Bahr (Geschäftsführende Vorständin, Condrobs), Frederik Kronthaler, Petra Schütt (Leiterin Kommunale Beschäftigungspolitik und Qualifizierung bei Landeshauptstadt München), Bernhard Seidenath (MdL, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit, Pflege und Prävention), Prof. Dr. Lukas Kerschbaumer, Alexander Eberth (Aufsichtsratsvorsitzender, Condrobs), Miriam Hansen, Stefan Jagel (Stadtrat, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE), Stefan Brandhuber
Foto 1: Miriam Hansen Foto 2: Thomas Schmid Foto 3: Dr. Christian Scharpf Foto 4: Publikum Foto 5: Timo Neudorfer Foto 6: Florian Eder Foto 7: Frederik Kronthaler Foto 8: Prof. Dr. Lukas Kerschbaumer Foto 9: Miriam Hansen und Prof. Dr. Lukas Kerschbaumer Foto 10: Teilnehmer Michael, Betriebsleiter Stefan Brandhuber, Teilnehmer Helmut Foto 11: Feierlichkeiten Foto 12 v.l.: Bernhard Seidenath, Katrin Bahr, Birgit Treml (Bereichsleitung Hilfen für junge Menschen, Familien und Berufsintegration München, Condrobs), Frederik Kronthaler, Miriam Hansen, Dr. Christian Scharpf Foto 13: ConJob Werkshalle

















