Hilfe für Abhängige hat in Garmisch Tradition

Seit bald 40 Jahren leistet der Verein Condrobs Hilfe für suchtkranke Menschen in Garmisch-Partenkirchen. Fast 800 Betroffene und Angehörige begleitet die Suchtberatungsstelle heute. Trotzdem bleibt Sucht für viele noch ein Tabuthema.

Garmisch-Partenkirchen, 4. 11.20 – Suchthilfe ist ein wichtiger Teil des sozialen Netzes in Garmisch-Partenkirchen. Als sich Condrobs im Jahr 1982 im Landkreis ansiedelte, suchten 93 Menschen Beratung und Therapie in Sachen Sucht und Konsum von legalen und illegalen Drogen. Die Nachfrage stieg kontinuierlich auf heute 773 Menschen, davon 625 Betroffene und 148 Angehörige. Konstant bleibt Alkohol dabei Droge Nummer 1. Von den 625 Betroffenen suchen 280 Menschen Hilfe zu übermäßigem Alkoholkonsum. „Auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick betroffen machen: Sie zeigen, wie wichtig eine niedrigschwellige, regionale Anlaufstelle für betroffene Menschen ist.“ so Landrat Anton Speer.

Sucht vorbeugen – von Anfang an

Mit der Nachfrage wuchs und veränderte auch das Angebot. Individualität steht heute im Vordergrund, weiß Daniel Wittmann, Leiter der Condrobs Suchtberatung. „Clearing ist ein ganz wichtiges Stichwort“, erklärt der Sozialpädagoge, „das bedeutet, wenn jemand zu uns kommt, nehmen wir uns die Zeit herauszufinden, welche Hilfe sie oder er genau braucht.“ Diese Hilfen reichen von Beratungsgesprächen und Gruppentherapien, über betreutes Wohnen, aufsuchende Arbeit bis zur Substitutionsbegleitung und Nachsorge.

Eine wichtige Säule der Suchthilfe ist Aufklärung und Prävention. Wittman hält fest: „Wir unterstützen vom Kindesalter an. Zuerst geht es darum, Persönlichkeiten zu stärken, Kindern zu zeigen, auf wie viele unterschiedliche Arten sie Freude erleben können. Ein schönes Projekt ist zum Beispiel der spielzeugfreie Kindergarten. Hier lernen Kinder sich ganz ohne Ablenkung miteinander zu beschäftigen – eine wichtige Erkenntnis gegen exzessiven Konsum jeglicher Art!“

Viele wollen anonym bleiben

Obwohl sich über die Jahre mehr und mehr Menschen an Condrobs wandten, bleibt Sucht bei vielen ein Tabuthema. Sich eine Sucht einzugestehen und Hilfe zu suchen, kann schwierig sein. „Besonders im südlichen Landkreis ist die soziale Kontrolle hoch und in engen Tallagen ist den Menschen die Anonymität unseres Angebots wichtig“, erklärt Daniel Wittmann geographische Unterschiede: „Im Norden hingegen weitet sich das Land und auch die Menschen werden offener für unsere Hilfe.“

Trotzdem – der Bedarf im gesamten Landkreis bleibt groß. Wittmann weiß, dass viele mit ihrer Sucht noch im Verborgenen kämpfen: „Niemand muss sich dieser Krankheit alleine stellen! Natürlich führen wir Gespräche gern anonym. Der erste Kontakt mit uns ist oft der entscheidende in ein suchtfreies Leben!“, ruft der Leiter der Suchtberatung auf.

Zukunftspläne: kontaktfrei und digital

Damit dieser Erstkontakt auch in Corona-Zeiten so einfach wie möglich bleibt, hofft man im Verein auf Digitalisierung. „Wir möchten in Zukunft unser Online-Angebot weiter ausbauen können. Eine Art virtuelle Beratungsstelle würde noch mehr Menschen erreichen, “ plant Wittmann. Auch Landrat Speer weiß um die neuen Herausforderungen im digitalen Zeitalter, sieht Condrobs im Landkreis Garmisch-Partenkirchen aber gut gerüstet: „Ich bin mir sicher, dass es der Suchtberatungsstelle gelingen wird, auch in diesem Bereich eine bedarfsgerechte Angebotsstruktur zu entwickeln,“ schließt der Landrat.

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