Condrobs in Starnberg feiert 30-jähriges Jubiläum

7. Oktober 2022
Von links: Veronika Mentzel, Stefan Wenger, Katrin Bahr

Seit mehr als 50 Jahren hält Condrobs individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmte Angebote bereit, die Menschen eine Brücke in ein selbstbestimmtes, gesundes Leben bauen. Was in der Landeshauptstadt München seinen Lauf nahm, ist längst bayernweit etabliert. So auch im Landkreis Starnberg. Seit 30 Jahren ist Condrobs mit Hilfen für Menschen mit Suchtproblemen und deren Angehörige hier vor Ort und bietet zudem moderne Präventionsangebote in Schulen und Kitas für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen an. Condrobs hat sich als verlässlicher Netzwerkpartner für Behörden, Institutionen und andere soziale Träger der Region etabliert.

Kein Ende der Reise

Zur Feier dieses Jubiläums hat Condrobs am gestrigen 06. Oktober in die Suchtberatungsstelle in Starnberg geladen, um dort über aktuelle Themen der Suchthilfe zu sprechen. Stefan Wenger, Abteilungsleitung Sucht- und Jugendhilfe Starnberg, Landsberg, Augsburg, Condrobs e. V., begrüßte die Anwesenden.

„30 Jahre Suchtberatungsstelle Starnberg bedeutet für uns natürlich in erster Linie 30 Jahre Hilfe und Unterstützung für ratsuchende und hilfsbedürftige Menschen im Landkreis Starnberg,“ so Wenger. „Auch nach 30 Jahren“ fuhr Stefan Wenger fort, „ist die Reise aus unserer Sicht keinesfalls zu Ende. Die Bedarfe unserer Klientel ändern sich stetig, die Suchthilfe muss diesen Veränderungen Rechnung tragen mit angepassten und neuen Angeboten.“

Modellprojekt Drogenkonsumräume?

„Es hat sich in den vergangenen 30 Jahren verdammt viel getan“, so Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern, in seinen Grußworten. „Für mich der ist der größte Gewinn, dass Drogensucht in dieser Zeit als Krankheit anerkannt wurde. Aber“ so Mederer weiter, „wir sind noch nicht am Ziel, jedoch schon weit gekommen.“ Die Frage, wohin die Reise der Suchthilfe in Zukunft gehe, ließ Josef Mederer nicht unbeantwortet: „Niedrigschwellige Angebote müssen verstärkt werden, um auf Augenhöhe im Austausch zu bleiben“.

Auch das Thema Drogenkonsumräume in Bayern griff der Politiker auf und bezog klar Stellung: „Warum hat Bayern die meisten Drogentoten? Da stimmt doch was nicht! Wir haben uns als Bezirk Oberbayern dafür ausgesprochen, dem entgegenzutreten, indem modellhaft in Ballungsräumen Drogenkonsumräume eingerichtet werden.“

Katrin Bahr, Geschäftsführende Vorständin von Condrobs, ging auf Josef Mederers Konsumraum-Aussage ein und machte deutlich, dass der Bedarf da und die Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen sei. Condrobs, so Bahr, würde ein Drogenkonsumraum-Modellprojekt in Bayern gerne angehen.

Gewappnet für Herausforderungen

„Condrobs steht insgesamt vor großen Herausforderungen“, so Bahr anschließend. „Unser Ziel ist es, Bedarfe zu erkennen und darauf zu reagieren. Das wird auch in Zukunft so sein, mit Blick auf digitale Medien und die damit verbundene Streetwork im Netz.“

Karin Wiggenhauser, Bereichsleitung Hilfen für Erwachsene und bayernweite Angebote von Condrobs, ergänzte, dass es im kommenden Jahr eine bundesweite digitale Suchtplattform geben werde und Condrobs Starnberg als Modellberatungsstelle an Bord ist. Dem großartigen Team um Stefan Wenger, Veronika Mentzel (Einrichtungsleitung) und Brigitte Schedlbauer (Verwaltung) sei es zu verdanken, dass alle künftigen und aktuellen Anforderungen so hervorragend gemeistert werden.

 Stefan Frey, Landrat des Landkreises Starnberg, dankte Condrobs in seiner Ansprache für den unermüdlichen Einsatz: „Condrobs ist eine gesetzte Größe und genießt großes Vertrauen im Landkreis.“ Die Bedeutung der Netzwerkarbeit, zu der Condrobs einen wichtigen Beitrag leistet, hob Frey nochmal ganz besonders hervor: „Es ist wichtig, dass wir multiprofessionell arbeiten, und das können wir nur im Netzwerk.“

Netzwerkarbeit als Schlüssel

Nach den Grußworten wurde übergeleitet zu Prof. Dr. Egon Endres, Professor für Sozialwissenschaften und Sozialmanagement der Katholischen Stiftungshochschule München. Er hatte einen Vortrag zur Bedeutung innovativer Netzwerkarbeit in der Suchthilfe vorbereitet. Aufmerksam lauschten die Gäste den Ausführungen des Experten, der sieben Erfolgsbausteine ausgemacht hatte: „Gemeinsame Ziele“, „Sich auf etwas Neues einlassen“, „Gegenseitiges Vertrauen“, „Es darf nur Gewinner geben“, „Gemeinsame Kommunikation“, „Bereitschaft zum Perspektivenwechsel“ und „Regelmäßige Kontaktpflege“.

„Netzwerkarbeit“ so Prof. Dr. Endres „stellt hohe Ansprüche an die Verantwortlichen.“ Dass Condrobs weitgreifende Vernetzung mit Kooperationspartner*innen aus den verschiedensten Bereichen als Teil des eigenen Selbstverständnisses in den Leitlinien verankert hat, hob Prof. Dr. Endres lobend hervor.

Bei Getränken und Häppchen, liebevoll zubereitet vom Condrobs Gastronomiebetrieb VIVA CLARA, und mit dem ein oder anderen anregenden Gespräch über aktuelle Themen der Suchthilfe ging die Jubiläumsfeier zu Ende.

„KunstWege“-Ausstellung in Starnberg

Anlässlich des Jubiläums findet zudem aktuell bis zum 16. Oktober im Foyer der Kreissparkasse Starnberg in der Wittelsbacherstraße 9 eine Ausstellung von ausgewählten Kunstwerken des Projekts „KunstWege – Vom Leben gezeichnet“ statt. Dieses bot Condrobs-Klient*innen die Möglichkeit, sich auszudrücken und die eigene Lebenswelt in künstlerischer Form darzustellen.

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