Die Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten bundesweiten Dunkelfeldstudie „LeSuBiA“ zeichnen ein deutliches Bild: Gewalterfahrungen in Deutschland sind weit verbreitet und bleiben dennoch häufig im Verborgenen. Viele Taten werden nicht angezeigt, viele Betroffene bleiben mit ihren Erfahrungen allein. Besonders häufig sind Frauen* von Gewalt betroffen.
Erschreckende Zahlen und reale Lebenswirklichkeit
48,7 % der Frauen berichten, mindestens einmal in ihrem Leben psychische Gewalt in einer Partnerschaft erlebt zu haben, 18 % körperliche Gewalt. Sexuelle Belästigung haben 62,3 % der Frauen erfahren, 17,8 % einen sexuellen Übergriff.
Deutlich wird: Gewalt findet häufig im unmittelbaren Umfeld statt und wirkt in ihren unterschiedlichen Formen – psychisch, körperlich, sexualisiert oder digital – über lange Zeit nach.
Diese Zahlen ergänzen und untermauern die Perspektive des Condrobs-Positionspapiers „Gewalt gegen Frauen*“: Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles gesellschaftliches Problem. Gewalt gegen Frauen* steht oft im Zusammenhang mit Ungleichheiten, Abhängigkeiten und Machtverhältnissen.
Allein im Jahr 2024 haben in Deutschland 171.069 Menschen Partnerschaftsgewalt erlitten – rund 80 % von ihnen Frauen. Nahezu täglich wird ein Femizid registriert.
Prävention und Hilfe müssen früh ansetzen
Angesichts dieser Ergebnisse wird die Bedeutung frühzeitiger Prävention und niedrigschwelliger Hilfen besonders deutlich. Schutz- und Beratungsangebote müssen bedingungslos erreichbar sein – schnell, unbürokratisch und unabhängig von Lebenslage oder Herkunft.
Besonders gefährdet sind Menschen, die ohnehin mit Mehrfachbelastungen leben, etwa durch Migrationserfahrungen, psychische Erkrankungen oder Suchtproblematiken. Sie brauchen verlässliche und vernetzte Unterstützungssysteme, die ihre Lebensrealitäten berücksichtigen.
Täterdynamiken verstehen, Gewalt langfristig reduzieren
Um Gewalt nachhaltig zu verringern, braucht es auch eine stärkere Auseinandersetzung mit Täterdynamiken, Rollenbildern und gesellschaftlichen Normen. Bildungs- und Unterstützungsangebote, insbesondere für Jungen und Männer, können dazu beitragen, Gewaltmuster zu reflektieren und alternative Handlungsweisen zu entwickeln.
Verantwortung übernehmen
Die Ergebnisse der LeSuBiA-Studie und die Erfahrungen aus der Arbeit von Condrobs zeigen: Gewalt ist ein weit verbreitetes, oft verborgenes und vielschichtiges gesellschaftliches Problem. Sie betrifft nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Lebenszusammenhänge – Familien, Partnerschaften, Gesundheit und soziale Teilhabe.
Um wirksam gegenzusteuern, braucht es ein gemeinsames Handeln von Politik, Institutionen und Zivilgesellschaft.
Condrobs setzt sich dafür ein, Gewalt sichtbar zu machen, Betroffene zu stärken und nachhaltige Hilfestrukturen auszubauen. Prävention, Schutz und Unterstützung müssen Hand in Hand gehen – frühzeitig, verlässlich und für alle zugänglich. Denn wirksamer Gewaltschutz ist immer auch Schutz von Lebensperspektiven, von Gesundheit und von gesellschaftlicher Teilhabe.
Beratung
Frauen*hilfe München 089 35 82 810
Beratungsstelle für Mädchen* und junge Frauen* – IMMA e.V. 089 260 75 3137
Münchner Kommissariat für Opferschutz 089 29 10 44 44
Frauen*häuser und Zuflucht
Frauen helfen Frauen 089 64 51 69
IMMA Zufluchtstelle für Mädchen* und junge Frauen* 089 18 36 09
IN VIA München – Schutz für Migrantinnen in Not 089 548 88 95-0
Hilfen rund um die Uhr
Bundesweites Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen* 116 016 www.hilfetelefon.de
Erste Hilfe nach Vergewaltigung Erste Hilfe – Informationen für Betroffene – Frauennotruf München
Krisendienst Bayern 0800 655 3000




