Hohe Zahl drogenbedingter Todesfälle: Wie viele junge Menschen müssen noch sterben?

7. Juli 2026

Anlässlich der aktuellen Zahlen zu drogenbedingten Todesfällen in Deutschland veröffentlicht ein Netzwerk aus Fachorganisationen – darunter akzept, Deutsche Aidshilfe, fdr+, die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin, Der Paritätische Gesamtverband, der Bundesverband der Elternkreise und der JES Bundesverband – die folgende Pressemeldung. Condrobs unterstützt die Forderungen der #GibMir5-Kampagne.

Netzwerk schlägt 5-Punkte-Plan mit Maßnahmen gegen Drogentodesfälle vor.

Die heute veröffentlichten Zahlen zu drogenbedingten Todesfällen in Deutschland für das Jahr 2025 sind erschütternd: 2.150 Menschen sind an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben – damit bleibt die Zahl auf hohem Niveau.

Besonders alarmierend ist: Immer mehr junge Menschen sterben. Weil sie keine zweite Chance bekommen haben. Junge Leben, die geschützt werden könnten, finden ein frühes Ende. Diese Entwicklung ist nicht hinnehmbar – sie ist ein klarer Auftrag zum Handeln. „Wir gehen davon aus, dass junge Menschen oft synthetische, hochpotente Drogen zu sich nehmen, von denen sie nicht wissen, wie genau sie wirken. Wir brauchen unbedingt mehr Aufklärung und Frühwarnsysteme, um diese Fälle verhindern zu können,“ sagt Eva Egartner vom Fachverband Drogen- und Suchthilfe fdr+.

Die wachsende Verbreitung von Crack sowie synthetischen Opioiden, unberechenbare Wirkstoffgehalte und zunehmender Mischkonsum verschärfen die Lage zudem dramatisch. Deutschland steht an einem kritischen Punkt.

Die Todesfälle sind vermeidbar. Mit der bundesweiten Kampagne #GibMir5 machen deutsche Fachorganisationen gemeinsam deutlich: Es gibt konkrete, sofort umsetzbare und wissenschaftlich belegte Lösungen. Fünf Maßnahmen können Leben retten und die Zahl drogenbedingter Todesfälle nachweislich reduzieren:

1. Kommunale Frühwarnsysteme stärken
Trends und gefährliche Entwicklungen müssen früh erkannt werden, um rechtzeitig reagieren zu können.
2. Drugchecking flächendeckend ermöglichen
Nur wer weiß, was die konsumierte Droge wirklich enthält, kann Risiken einschätzen und tödliche Überdosierungen vermeiden.
3. Drogenkonsumräume ausbauen
Sie verhindern Infektionen, ermöglichen medizinische Hilfe im Notfall und schaffen sichere Konsumbedingungen sowie Zugang zu Beratung.
4. Naloxon verfügbar machen
Dieses Notfallmedikament kann die Folgen einer Opioidüberdosierung wirksam abwenden. Dafür braucht es einen niedrigschwelligen Zugang und geschulte Ersthelfer*innen.
5. Substitution ausbauen
Sie verbessert die gesundheitliche Stabilität, reduziert Risiken des Konsums und eröffnet Perspektiven für ein stabileres Leben.

Diese Maßnahmen sind keine Vision – sie sind Realität in vielen Ländern und auch in Teilen Deutschlands. Doch sie müssen endlich flächendeckend umgesetzt werden.

Junge Menschen bleiben schutzlos

Die steigende Zahl drogenbedingter Todesfälle bei jungen Menschen zeigt besonders deutlich: Prävention, Aufklärung und niedrigschwellige Hilfen erreichen viele nicht ausreichend. Gerade junge Konsument*innen, die teils nur kurzfristig mit Drogen experimentieren, sind zunehmend den Risiken synthetischer Substanzen ausgesetzt – oft ohne hinreichendes Wissen oder Schutzmöglichkeiten.

Jetzt ist die Zeit zu handeln

Wir fordern Bund, Länder und Kommunen auf, die vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse endlich konsequent in politisches Handeln zu übersetzen.

Darüber hinaus braucht es strukturelle Verbesserungen: Die Einrichtung eines interdisziplinären Drogen- und Suchtrates kann dazu beitragen, schneller und wirksamer auf Entwicklungen zu reagieren und evidenzbasierte Maßnahmen umzusetzen.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir alle verfügbaren Möglichkeiten nutzen müssen, um Menschenleben zu schützen. Aus medizinischer Sicht wissen wir, dass viele drogenbedingte Todesfälle vermeidbar sind. Entscheidend ist deshalb, Risiken frühzeitig zu reduzieren und Menschen gerade in besonders vulnerablen Konsumphasen zuverlässig zu erreichen. Harm-Reduction-Maßnahmen schaffen Schutz, verhindern Todesfälle und eröffnen zugleich Zugänge zu Beratung, Behandlung und langfristiger Stabilisierung“, sagt Dr. Maurice Cabanis, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin.

Es darf kein weiteres Jahr mit steigenden Todeszahlen geben.
Es darf kein weiteres Jahr geben, in dem wir zusehen, wie vor allem junge Menschen sterben.

 

Pressemeldung als pdf (312 KB) Maßnahmenplan als pdf (416 KB)

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