Walids Geschichte: Zurückgeben, was ich erhalten habe

28. Dezember 2022

Dieser Beitrag ist aus der aktuellen ConNews. Diesen und weitere Artikel können Sie in der Digitalausgabe lesen.

Ein ehemaliger Bewohner aus einer Condrobs-Jugendhilfeeinrichtung engagiert sich heute neben seinem Beruf ehrenamtlich bei Condrobs. Walids Geschichte zeigt: Benachteiligte Jugendliche können mit der nötigen Unterstützung ihr Leben in die Hand nehmen.

Gleich nach dem Schichtdienst als Maschinenanlagenführer kommt Walid auch an diesem Dienstag in die Puerto Jugendwohngemeinschaft Bayreuth: Heute unterstützt er die Mitarbeiter*innen dabei, einem neuen Klienten im Aufnahmegespräch die Regeln der Puerto WG näherzubringen. Von Gesprächen bis hin zu Amtsgängen, Walid steht der Einrichtung tatkräftig als Kultur- und Sprachmittler zur Seite, wann immer Bedarf dafür besteht.

Beistand in schwieriger Zeit

„Als ich damals als Klient zu Condrobs gekommen bin, ging es mir sehr schlecht. Ich war allein nach der langen Flucht, hatte keine Sicherheit. Meine Eltern und Geschwister fehlten mir sehr. Ein Elternnachzug wurde abgelehnt,“ erinnert sich der gebürtige Syrer heute. Der junge Mann kämpfte mit Trauer und Wut, sah keine Zukunft für sich. „Aber die Betreuer*innen glaubten an mich. Sie sahen mich als Mensch und nicht meine Probleme. Ohne ihre Unterstützung und Hilfe wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.“

Respekt von Mensch zu Mensch

Die Betreuer*innen unterstützen Walid in all seinen Belangen. Zweieinhalb Jahre nach seiner Flucht bekommt er endlich den Aufenthaltstitel. Er qualifiziert sich weiter, bezieht eine eigene Wohnung. Walid heiratet und hat einen unbefristeten Job, wird Vater von Zwillingen. Walid ist angekommen. Sein Einbürgerungsantrag wird angenommen, Walid ist deutscher Staatsbürger. Das ist Anlass für ihn, sich ehrenamtlich bei Condrobs zu engagieren: „Das ermöglicht es mir, etwas von dem zurückzugeben, was ich selbst erfahren habe: Respekt.“

Willkommen im Team

„Walid hat einen Draht zu den Jugendlichen und kann sich in ihre Lage hineinversetzen. Die jungen Menschen respektieren und schätzen ihn, egal ob Deutsche oder mit Migrationsgeschichte. Mit Empathie und inter- kultureller Kompetenz macht Walid ihnen mit seinem eigenen Beispiel Mut,“ berichtet Madeleine Nordhaus, Condrobs-Abteilungsleiterin Sucht- und Jugendhilfe Bayreuth.

Hebel gegen den Fachkräftemangel

„Eine Geschichte wie die von Walid beweist: Wenn wir uns als Gesellschaft um benachteiligte junge Menschen kümmern und investieren, zahlt sich das gleich in mehrfacher Hinsicht aus,“ betont Condrobs-Vorstand Frederik Kronthaler: „Eine gute Migrationspolitik, die auf Integration und Bildung setzt, ist ein wirksamer Hebel gegen den Fachkräftemangel. Wir können viele mögliche Probleme wie Arbeitslosigkeit verhindern und psychische Gesundheit fördern, indem wir die Menschen, die zu uns kommen, begleiten, damit sie als eigenständige Mitglieder an unserer Gesellschaft teilhaben können.“

Jugendhilfe ohne Unterschiede

Die Botschaft lässt sich über die Migrationspolitik hinaus noch weiter spannen: Condrobs vermittelt Jugendliche mit und ohne Migrationsgeschichte aus seinen Jugendhilfeeinrichtungen erfolgreich in Ausbildungsberufe, in denen händeringend nach Fachkräften gesucht wird. „Viele Arbeitgeber in Handwerk und Wirtschaft haben inzwischen gute Erfahrungen damit gemacht, jungen Menschen eine Chance zu geben, die schwierige Startbedingungen haben, aus welchen Gründen auch immer. Und unsere jungen Klient*innen ergreifen die Chance, in einem Beruf gebraucht zu werden,“ erläutert Madeleine Nordhaus.

Für sozialen Zusammenhalt

„Gerade in der aktuellen, für uns alle so herausfordernden Zeit müssen wir zusammen mit Politik, Ämtern und der Zivilgesellschaft alles daran setzen, benachteiligte Menschen zu unterstützen, in Arbeit und in den sozialen Bezügen zu halten. Als gemeinnütziger Träger leisten wir einen aktiven Beitrag zum sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft,“ betont Condrobs-Vorständin Katrin Bahr: „Das ist – nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht – am Ende ein großer Gewinn für uns alle!“


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