München, 9. März 2020 - Die Lage ist schmerzlich und beschämend: Tausende Menschen sind an der türkisch-griechische Grenze Kälte und Gewalt ausgesetzt. Viele davon sind Kinder. Das Münchner Aktionsbündnis für geflüchtete Frauen hat in diesem offenen Brief, mitunterzeichnet von Condrobs, eine klare Botschaft: Sofort Menschen aufnehmen!

Der offene Brief

Das Aktionsbündnis für geflüchtete Frauen München unterstützt die Initiative „Wir haben Platz“ des Bundesfachverbands unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Ebenso unterstützt das Bündnis die Bemühungen der Stadt München, geflüchtete Menschen aus Griechenland aufzunehmen.
 
Wir fordern die Große Koalition in Berlin, die Blockadehaltung, welche die so dringend benötigte Hilfe für die Menschen verhindert, unverzüglich aufzugeben.
 
Wir fordern schnelle und umfassende Hilfemaßnahmen und eine sofortige Aufnahme von Geflüchteten, insbesondere die Aufnahme von besonders schutzbedürftigen Personen wie Kindern und alleinlebenden Frauen.
 
Durch diverse Medienberichte wurden das Flüchtlingslager „Moria“ auf Lesbos und die untragbaren Zustände für die mehr als 1.100 dort lebenden unbegleiteten Minderjährigen bereits Gegenstand massiver Kritik.
 
Dennoch hat sich bis heute nichts an der dort herrschenden menschenunwürdigen Situation für die Kinder und Jugendlichen geändert.
 
Im Gegenteil: An der türkisch-griechischen Grenze trägt sich seit Tagen eine humanitäre Katastrophe zu: Nachdem der türkische Präsident Erdogan die Grenze zu Griechenland geöffnet hat, haben sich tausende Flüchtlinge auf den Weg gemacht, um in der EU einen Antrag auf Asyl zu stellen. In Griechenland wendet die Polizei Gewalt an, damit die Menschen nicht ins Land kommen.
 
Gleichzeitig warnen deutsche Politiker*innen Menschen auf der Flucht davor, sich nach Deutschland zu bewegen, weil „wir sie hier nicht aufnehmen“ könnten.
 
Das Asylrecht ist ein Menschenrecht. Wir haben eine humanitäre Verpflichtung gegenüber den Menschen, die Schutz innerhalb der EU suchen.
 
Die Situation der Kinder in Moria ist absolut unmenschlich und widerspricht in jeder Hinsicht allen Menschenrechtsvereinbarungen und den Genfer Konventionen.
 
Ebenso sind Frauen vor, während und nach der Flucht oft von massiver Gewalt betroffen, sie werden häufig Opfer von sexuellen Übergriffe und Vergewaltigungen.
 
Wir fordern die Bundesregierung auf, Verantwortung insbesondere für die Kinder zu übernehmen und die Kommunen, die sich im Rahmen der Kampagne #WirHabenPlatz! bereit erklärt haben, besonders schutzbedürftige Menschen aufzunehmen, dabei zu unterstützen.
 
 
Für das Bündnis
Lydia Dietrich, Frauenhilfe München
Gundula Brunner, Sabine Wieninger, IMMA München
Katrin Bahr, Condrobs
Hester Butterfield, Jane Addams Zentrum
Irmgard Deschler, Wildwasser München
Christian Reisenberg, pro familia München
Laura Zimmer, Juno München
Polina Hilsenbeck, Psychol. Psychotherapeutin, Supervisorin, Referentin, München
Jürgen Soyer, Refugio München
 
V.i.S.d.P. Lydia Dietrich, Frauenhilfe München, Charles-de-Gaulle-str.4, 81737 München