Jung, Arm und Obdachlos?

12. November 2019

Eine helfende Hand für junge Erwachsene in der Armutsfalle

München, 12.11.2019 – Es sind erschreckende Einschätzungen, die uns die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) gestern präsentierte: 678.000 Menschen waren in Deutschland in diesem Jahr ohne Wohnung – eine Steigerung von 4% im Vergleich zum Vorjahr. Von Obdachlosigkeit betroffen sind neben anerkannten Geflüchteten besonders junge Erwachsene. Ein fehlendes Angebot an leistbaren Kleinwohnungen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und zu niedrige Finanzierung sozialer Wohnungspolitik sind die dafür dringlichsten Gründe, so das BAGW.  

„Sich die Not nicht ansehen lassen“ – Die verdeckte Armut junger Erwachsener  

Oft versuchen besonders junge Menschen diese Gefahr zu verstecken. „Viele geben sich größte Mühe, sich ihre Not nicht ansehen zu lassen“, weiß Karin Wiggenhauser, Bereichs-Geschäftsführerin für Regionale Angebote bei Condrobs. Dabei ist bei der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen die Gefahr, in die Armut abzurutschen, besonders hoch. „Viele Hilfen fallen ab der Volljährigkeit weg“, erklärt Wiggenhauser, „auch besteht für viele junge Erwachsene aus Hartz-IV-Familien de facto ein Verbot, von Zuhause auszuziehen.“ Dass das Spannungsfeld aus Arbeitslosigkeit, zerrütteten Familienverhältnissen und drohender Wohnungslosigkeit oft zu Verzweiflung und Zukunftsängsten führen kann, verwundert wenig.  

Nicht nur ein Dach über dem Kopf – Hilfe schafft Perspektiven

Besonders nun, da der Winter naht, wird Wohnungslosigkeit existenzgefährdend. Wo staatliche Maßnahmen nicht ausreichen, familiäre Strukturen fehlen und der Arbeitsmarkt zu wenige adäquate Möglichkeiten bietet, ist es oft an sozialen Vereinen, Menschen aus solchen Notlagen zu helfen. So versucht Condrobs jungen von Obdachlosigkeit bedrohten Erwachsenen zur Seite zu stehen. In Bayreuth etwa bietet der Verein nun eine Alternative zur Obdachlosenhilfe: In sozialpädagogisch betreuten WGs finden armutsgefährdete junge Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern die Unterstützung, die sie auf dem Weg in die Selbständigkeit brauchen. Ähnlich das Projekt NeuHäuser in Augsburg: 18 junge Menschen bekommen hier einen Platz zum Wohnen, Lern-Unterstützung in der Ausbildung, sozialpädagogische Begleitung – und Hilfe bei der Wohnungssuche danach. „Besonders auf sich allein gestellte Jugendliche, die bisher in Wohngruppen oder Pflegefamilien lebten, haben am schwierigen Wohnungsmarktmarkt alleine kaum noch Chancen“, betont Wiggenhauser, „darum sehen wir, dass unser Angebot notwendig ist und junge Menschen es gerne annehmen.“  

Die Condrobs Einrichtungen NeuHäuser Jugendwohnen plus Ausbildungsförderung in Augsburg sowie die sozialpädagogisch betreuten WGs in Bayreuth stehen jungen Menschen in prekären Lagen zur Seite.

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