Condrobs-Jubiläum: Seit 50 Jahren Brücken ins Leben

13. Dezember 2021

Vor fünf Jahrzehnten wurde eine Elterninitiative gegründet, um der akuten Drogenproblematik und der Kriminalisierung Suchtkranker entgegenzutreten. Daraus erwuchs mit Condrobs ein Verein, der mit individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmten Angeboten Menschen eine Brücke in ein selbstbestimmtes, gesundes Leben baut. Am 13. Dezember begehen wir dieses bedeutsame Jubiläum.

Mitte der 60er Jahre: in Deutschland grassiert eine Drogenwelle, die vor allem Jugendliche und junge Menschen mitreißt. In den folgenden Jahren tritt keine Verbesserung ein, die Problematik wächst zunehmend an. Viele junge Menschen sind aufgrund ihres Drogenkonsums inhaftiert, Hilfsangebote gibt es kaum. Um Suchtkranke zu entkriminalisieren, sich für die Bedarfe dieser marginalisierten Zielgruppe einzusetzen und passende, bedarfsgerechte Hilfsangebote zu schaffen, beschließen 18 Eltern mit Unterstützung des sozial engagierten Rechtsreferendars Alexander Eberth und des Sozialarbeiters Vladimir Bosnjak die „Elterninitiative gegen Drogenmissbrauch“ zu gründen.

Was zu diesem Zeitpunkt keiner der Beteiligten ahnt: 50 Jahre später ist die kleine Initiative zu einem der größten überkonfessionellen, bayernweiten Träger für soziale Hilfsangebote mit über 70 Einrichtungen, einem weiten Tätigkeitsspektrum, das Prävention, Kinder- und Jugendhilfe, Arbeit und Beschäftigung sowie Hilfen für Geflüchtete umfasst und mehr als 900 Mitarbeitenden angewachsen.

Dieser über fünf Jahrzehnte entstandene und ausgebaute Erfolg beruht auf kontinuierlicher Weiterentwicklung passgenauer Angebote sowie hoher Fachlichkeit.

Auf- und Ausbau der Hilfsangebote

Die 1970er Jahre standen ganz im Zeichen des Auf- und Ausbaus bedarfsgerechter Hilfsangebote. Erste Erfahrungen wurden gemacht, Bedarfslücken geschlossen, innovative Angebote entwickelt, die drogenpolitische Arbeit etabliert und Unterstützer*innen gewonnen. Oftmals gegen politische wie gesellschaftliche Widerstände zeigte Condrobs Einsatz für die eigenen Zielgruppen.

1972 konnte die erste Beratungsstelle mit Sitz in der Schwabinger Konradstraße eröffnet werden. Ein denkwürdiger Moment. Der Beratungsstelle folgten Stück für Stück weitere Einrichtungen: 1974 das Teehaus Fidibus, in dem alternative Drogenarbeit praktiziert wurde; 1977 Inizio (ehemals die therapeutische WG Muspillistraße, die erste jugendsuchtspezifische Einrichtung); 1979 das Schloss Pichl für stationäre Rehabilitation und Langzeittherapie nördlich von Augsburg.

Lücken schließen, Neues wagen

In den 1980ern war die Etablierung von Condrobs als Institution, die Lücken im Hilfesystem identifizierte und schloss, oberste Prämisse. Um der steigenden Nachfrage und der drängenden Umsetzung benötigter Hilfsangebote gerecht werden zu können, wurden weitere Einrichtungen gegründet, Projekte gestartet und Neues gewagt.

Ab Mitte der 80er nahm AIDS seinen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung ein und wurde heiß diskutiert. Davon betroffen war in besonderem Maße auch intravenös konsumierende Drogengebraucher*innen. Condrobs setzte sich für seine Klientel und die zunehmende Stigmatisierung ein, entwickelte Safer Use Programme und sorgte dafür, dass notwendige Hilfs- und Behandlungsangebote etabliert wurden.

Den oftmals wenig sichtbaren Suchtproblemen in den ländlichen Gegenden begegnete Condrobs u.a. durch die Gründung einer niederschwelligen Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene in Garmisch-Partenkirchen, die nach und nach zu einer Suchtberatungsstelle ausgebaut wurde. 1986 wurde die erste Prima Donna Frauenwohngemeinschaft eröffnet. Ein Meilenstein in der geschlechtsspezifischen Arbeit des Vereins und als erste frauenspezifische Einrichtung in Bayern ebenso ein Meilenstein des Landes.

Ergänzung und Differenzierung

Ende des Jahrzehnts war Condrobs auf sechs Einrichtungen mit ca. 50 Mitarbeitenden angewachsen – doch in den 1990er geschah hier noch einiges mehr. Die Angebote wurden zunehmend ergänzt und differenziert. Es kamen beispielsweise Arbeitsprojekte wie ConJob und Viva Clara hinzu, spezialisierte Einrichtungen in der Jugendsuchthilfe wie easyContact und das Streetworkprojekt ConAction wurden auf den Weg gebracht, die ÜWG eröffnet, weitere niedrigschwellige, akzeptanzorientierte Angebote geschaffen und eine Suchtberatungsstelle im Landkreis Starnberg aufgebaut. Mitte der 90er übernahm Condrobs die Trägerschaft des Kontaktladens off und baute das Angebot an Kontakt- und Begegnungsstätten sukzessive aus.

Zunehmende Spezialisierung

Die große Nachfrage nach den Condrobs-Angeboten bestätigte, dass noch zahlreiche Bedarfe vorhanden waren. So wurden die 2000er Jahre für die zunehmende Schließung von Lücken im Hilfesystem und die weitere Spezialisierung in den Angeboten genutzt. Der Ausbau der Genderarbeit, die Gründung und Erweiterung von zusätzlichen Einrichtungen wie dem Kontaktladen limit, dem Präventionsprojekt Inside @ school, easyContact Ingolstadt oder das Betreute Wohnen standen auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite wurden neue Schwerpunkte – beispielsweise Hilfen für ältere Klient*innen, Einrichtungen für unbegleitete jugendliche Geflüchtete – gesetzt. Mit der Eröffnung von Suprima wurde das Gesamtkonzept um ein bis dato einzigartiges Angebot erweitert: dem Ziel der psychischen wie physischen Gesundung substituierter Bewohner*innen und deren sozialer Reintegration. Auch organisatorisch entwickelte Condrobs sich weiter: die Implementierung eines Qualitätsmanagements zusammen mit der Gütesiegel-Zertifizierung wurden zu wichtigen Themen des Vereins.

Bayernweite Vernetzung

Über 30 Einrichtungen und mehr als 400 Mitarbeiter*innen – zum 40jährigen Bestehen im Jahr 2011 war Condrobs zu einem Sozialverein von beachtlicher Reichweite angewachsen. Ein Ende war damit längst nicht erreicht, denn es gab noch viele Menschen, die Unterstützung benötigten. Vor allem das Schaffen von Angeboten außerhalb Münchens wurde vorangetrieben, zahlreiche Einrichtungen in zusätzlichen bayerischen Ortschaften wie z.B. Landsberg, Augsburg, Erding, Bayreuth, Würzburg oder Schweinfurt wurden gegründet oder erweitert. Aber auch in der Landeshauptstadt wurde weiterhin alles getan, um die Bedarfe der Klient*innen erfüllen zu können.

Neben der Gründung neuer Einrichtungen wie dem Mutter-Kind-Haus oder dem Familienzentrum Ramersdorf war ab 2012 auch die Schaffung von Angeboten für Geflüchtete in mehreren bayerischen Städten wesentlich. Die Puerto Jugendwohngemeinschaften in Bayreuth und Augsburg waren und sind für u.a. junge Geflüchtete eine Anlaufstelle, das Integrationsprojekt Kistlerhofstraße sorgte dafür, dass junge Flüchtlinge und Studierende gemeinsam mit- und voneinander lernten. Hinzu kam 2019 die Gründung der Condrobs Akademie zur internen wie externen Fort- und Weiterbildung im Jahr 2019.

Condrobs aktuell

Condrobs nahm von Beginn an bis heute stets Einfluss auf die Politik, um für unsere Klientel Besserungen zu erreichen und ihnen eine Stimme zu geben. Es ist uns in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, Themenschwerpunkte zu setzen und nachhaltige Veränderungen herbeizuführen, die unseren Klient*innen zugutekommen.

Es gibt jedoch nach wie vor zahlreiche Themen, an denen wir dranbleiben müssen: Wohnungslosigkeit, relative Armut und psychische Belastungen nehmen zu und werden durch die Pandemie wie mit einem Brennglas verstärkt. Die Forderungen nach geschützten Konsumräumen und Drug Checking sind nur ein Teil der Forderungen und Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Moderne Drogenarbeit hat das Internet und die vielen Chatplattformen in den Blick zu nehmen. Kinder und Jugendliche sind hier besonders gefährdet. Das Augenmerk muss auf sie gerichtet sein.

Das ist nur ein Teil dessen, was wir angehen wollen und werden. Soziale Arbeit ist wichtiger denn je, sie muss möglichst niedrigschwellig sein, verlässlich präsent für die Hilfesuchenden bleiben und präventiv wirken.

Die vergangene zwei Jahre in der Pandemie waren für alle eine Herausforderung. Auch für Condrobs. Doch gerade in dieser schwierigen Zeit zeigte sich, dass Condrobs auf einem stabilen Fundament steht. Dieses bildet die Basis für weitere mindestens 50 Jahre, in denen von uns Brücken ins Leben gebaut und Klient*innen auf ihrem Weg begleitet werden.

Im Jubiläumsjahr 2022 haben wir diverse Veranstaltungen und Aktionen geplant, über die wir natürlich regelmäßig und rechtzeitig informieren werden. Wenn Sie für Ihre Berichterstattung zusätzliche Informationen, weiteres Material oder Interview-Partner*innen benötigen, können Sie sich gerne jederzeit an die Presse@condrobs.de wenden.

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