Condrobs-Einrichtungen begehen den Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

15. Juli 2022

Einladung zum internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen am Marienplatz

Es ist traurig, dass Menschen an ihrer Suchterkrankung sterben müssen. Um das Andenken an all die von uns gegangenen Menschen hochzuhalten und um den Forderungen nach Veränderung im Hilfesystem Nachdruck zu verleihen, treffen wir uns am

21. Juli 2022 um 11:30 Uhr auf dem Marienplatz

anlässlich des Internationalen Gedenktags für verstorbene Drogengebraucher*innen. Münchens dritte Bürgermeisterin, Frau Verena Dietl, wird als Rednerin zugegen sein. Die Schirmherrschaft des gesamtdeutschen Gedenktages hat Burkhard Blienert, Bundesbeauftragter für der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, übernommen, die in München Oberbürgermeister Dieter Reiter.

25 Jahre alt ist der Gedenktag mittlerweile. In dieser Zeit sind über 34.000 drogengebrauchende Menschen verstorben. Es ist ein trauriges Jubiläum – aber auch eines, das deutlich macht, dass unser starkes Bündnis seinen Teil zu Veränderungen im Hilfesystem, der medizinischen Behandlung sowie zur Entstigmatisierung von Drogenkonsum und Drogenkonsument*innen beigetragen hat. Dieses Bündnis, das sind der Caritas Therapieverbund Sucht, Condrobs e.V., die Münchner Aids-Hilfe, der Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit München, Kritische Medizin München, JES München und Prop e.V.

Kein Tod eines drogengebrauchenden Menschen müsste sein. Mit den richtigen Mitteln hätte vielen der Menschen geholfen werden können. Nach wie vor drängend ist das Thema Konsumräume. Trotz der wiederholten Absage des Freistaats Bayern lassen wir nichts unversucht, um die dringend notwendige Umsetzung zu forcieren. Auch der eklatante Mangel an Substitutionsbehandlungen – vor allem im ländlichen Raum – wird in aller Deutlichkeit angesprochen werden. Ziel muss es sein, Menschen mit Suchtmittelgebrauch durch geeignete Maßnahmen wieder in die Gesellschaft zu integrieren, und nicht, sie weiter auszuschließen.

Neben Redebeiträgen der teilnehmenden Träger wird es eine Verlesung der Vornamen der im vergangenen Jahr in München verstorbenen Drogengebraucher*innen sowie eine gemeinsame Schweigeminute geben. Zudem wird es Musikeinlagen der Donnelly Connection geben.

Wir laden Betroffene, Angehörige, Interessierte sowie Vertreter*innen der Presse und Politik herzlichst dazu ein, mit uns gemeinsam den verstorbenen Drogengebraucher*innen des letzten Jahres zu gedenken. Bereits am 20. Juli findet die Gedenkfeier zum Gedenktag für die verstorbenen Drogengebraucher*innen um 13 Uhr in der St. Matthäuskirche am Sendlinger Tor statt. Sie sind herzlich eingeladen

Anlässlich dieses Tages wird es außerdem im Feierwerk Farbenladen am 21.07. ab 16 Uhr eine Sonderausstellung des Fotografen Florian Freund geben, der den Gedenktag seit Jahren fotografisch begleitet. Sie sind herzlich willkommen!


Trauer- und Kundgebungsaktion in Landsberg am 21. Juli

Im vergangenen Jahr sind in Bayern 255 Menschen an den Folgen ihrer Drogenabhängigkeit verstorben. Diese Zahl ist mehr als nur eine Statistik, denn diese 255 Menschen sind schmerzende Verluste. Mit einer Veranstaltung zum Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen trauert die Condrobs e.V. Suchtberatung und Therapie Landsberg um die im vergangene wie in den letzten Jahrzehnten von uns gegangen Menschen.  

Zum 25-jährigen Jubiläum des  Gedenktags für verstorbene Drogen*gebraucherinnen plant die Condrobs e.V. Suchtberatung und Therapie Landsberg, den über 34.000 Menschen zu gedenken, die in der letzten 25 Jahre verstorben sind. Dabei soll deutliche gemacht werden, dass aus Suchterkrankungen resultierende Todesfälle kein urbanes Phänomen sind, sondern überall – auch in Landsberg und Umkreis – vorkommen.

Dafür werden aus Kleidung kreierte „Menschen“ auf dem Hauptplatz in Landsberg aufgestellt. Diese „Kleidermenschen“ stehen für Verstorbene, die von den Mitarbeiter*innen der Condrobs e.V. Suchtberatung und Therapie Landsberg begleitet wurden. Zu jeder Darstellung wird ein persönlicher Satz auf einem Blatt sowie eine Blume platziert. Darüber hinaus wird den 2021 in Bayern verstorbenen 255 Menschen in Form von Schattenbildern gedacht.

Weitere Informationen zu wichtigen Themen werden vor Ort kommuniziert, beispielsweise Substitution. Sie macht es betroffenen Menschen möglich, sich wieder als Teil der Gesellschaft zu erleben. Dementsprechend ist es notwendig, die Strukturen zu verbessern. Es erfordert eine flächendeckende Möglichkeit der Substitution, gerade in ländlichen Regionen. Ebenso ist es unabdingbar, die Bedingungen für Mediziner*innen zu verbessern, um weitere Ärzt*innen zu motivieren, Substitution in ihr Behandlungsangebot aufzunehmen. Der Gedenktag macht schmerzlich deutlich, dass diese Versorgungslücken schnellstmöglich geschlossen werden müssen.


Gemeinsame Aktion der Jugend- und Drogenberatung und Condrobs e.V. in Würzburg am 21. Juli

In diesem Jahr jährt sich der Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen zum 25. Mal. Ein trauriges Jubiläum, da bundesweit in diesem Zeitraum nach offiziellen Zahlen der Bundesregierung über 34.000 Menschen den Drogentod fanden.

Mittlerweile findet der Drogentotengedenktag in über 90 Städten statt und wird von ca. 400 Organisationen und Initiativen unterstützt. Auch im Ausland finden inzwischen am 21. Juli zahlreiche Aktionen statt. Somit hat sich dieser Tag zum größten bundesweiten Aktions-, Trauer- und Präventionstag im Bereich illegaler Drogen entwickelt, welcher auch dieses Jahr unter der Schirmherrschaft des Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Herrn Burkard Blienert, stehen wird.

Das Überleben schützen

Die Zahl der Drogentoten ist in Deutschland 2021 erneut angestiegen. Im vergangenen Jahr starben 1.826 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen und damit 15,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit erhöhte sich die Zahl schon das vierte Jahr in Folge.

In Unterfranken verstarben laut Polizeipräsidium letztes Jahr fünfzehn Personen an einer Überdosis. Darüber hinaus erlagen 2021 mehr als 30 Personen an den indirekten Folgen ihres langjährigen Drogenkonsums. Drei langjährige Klient*innen nahmen sich aus Verzweiflung das Leben.

Auch wenn die drogen- und gesundheitspolitischen Ansichten und Ziele der verschiedenen Kommunen durchaus unterschiedlich sind, sind sich doch alle einig, dass das Überleben von Drogengebraucher*innen zu schützen ist. Wir möchten auf die durchaus positiven Entwicklungen in der Drogenpolitik blicken, aber auch die fortbestehenden Gründe für den zehntausendfachen Tod Drogen Konsumierender thematisieren.

Zahl der Substituierten steigt

Mehr als die Hälfte der Drogentodesfälle steht in Verbindung mit Opioiden und weist damit deutlich auf die Versorgungskrise in der medizinischen Behandlung der Opioidabhängigkeit hin. Die Zahl der Substituierten hat sich in den letzten 25 Jahren auf heute ca. 81.300 verdoppelt, sicherlich eine positive Tendenz. Andererseits besteht vielerorts berechtigte Sorge um den Fortbestand der Versorgung, da immer mehr Praxen aus Altersgründen der Betreibenden schließen. Eine neue Honorarordnung, kann dazu beitragen, falsche finanzielle Anreize zu korrigieren und den Einstieg junger Mediziner zu fördern.“

Niedrigschwellige und voraussetzungslose Angebote, auf Grundlage des Leitbilds akzeptierender Arbeit, sind zu einem festen Bestandteil des Hilfesystems geworden. Die Erfolge sind sichtbar, dennoch ist die Finanzierung kommunaler Aids- und Drogenhilfe durch Kommunen und Länder noch immer unzureichend.

Die Drogenhilfe Würzburg unterstützt den Gedenktag und wird deshalb am 21. Juli 2022 am Vierröhrenbrunnen einen Aktionsstand aufbauen.

  • Wann? Donnerstag, 21. Juli 2022 von 11.00 -16.00 Uhr
  • Wo? Vierröhrenbrunnen beim Rathaus in Würzburg (Rückermainstr. 2, 97070 Würzburg)

Ablauf:

  • Ab 11.00 Uhr: Stand mit der Möglichkeit der Beschriftung von Postkarten für die Luftballons
  • 13.00 Uhr: Ansprache mit musikalischer Begleitung, Steigenlassen von Luftballons, Menschenkette mit Gedenkminute
  • Bis 17.00 Uhr: Zeit zum Austausch

Neben dem Gedenken möchten wir den Würzburger Bürger*innen auch die schwierige Situation drogengebrauchender Menschen in Würzburg näherbringen. Dazu stehen wir während der Zeit für Gespräche und Diskussionen zur Verfügung.

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