Fast 29 Jahre Condrobs: Mach’s gut, Jürgen!

18. August 2023

In vielfältigen Funktionen hat Jürgen Glatting Condrobs annähernd 29 Jahre lang mitgeprägt, zuletzt als Einrichtungsleiter der Übergangswohngemeinschaft (ÜWG) für Männer*. Nun hat er sich ins Renternleben verabschiedet – zumindest größtenteils, denn als freiberuflicher Dozent ist Jürgen immer noch tätig. Zu seinen Erfahrungen und seiner Laufbahn bei Condrobs hat uns Jürgen Rede und Antwort gestanden. 

Wie waren Deine Anfänge bei Condrobs?

Meine Anfänge bei Condrobs waren ziemlich turbulent. Ich habe als Psychologe in der ÜWG angefangen, damals im Februar 1994, als diese von 12 auf 36 Plätze erweitert wurde. Das Konzept der ÜWG war im Entstehen und ziemlich verrückt mit den damaligen wilden Freizeiten und Arbeitsprojekten. Wir mussten uns alle irgendwie durchschlagen, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Schnell waren meine Stunden von eine halben auf eine ganze Stelle erhöht, ich übernahm unmittelbar in Anschluss an meine Probezeit als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Verantwortung und engagierte mich umgehend in der Männerarbeit.

Was waren Deine größten Erfolge, woran erinnerst Du Dich besonders gerne?

Meine größten Erfolge waren sicherlich die Anerkennung der Tagesklinik durch die Deutsche Rentenversicherung Bund sowie die Akzeptanz ihrer Erweiterung für Substituierte durch die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd. Da waren viel Überzeugungsarbeit und ein langer Atem notwendig, im Falle der DRV Bund eine 7-jährige Vorlaufzeit. Viele bei Condrobs hatten nicht mehr daran geglaubt, aber ich blieb fest davon überzeugt, dass mir das gelingen würde. Sehr dankbar bin ich in diesem Zusammenhang auch für die großartige Unterstützung durch mein damaliges Team, das mit seiner Arbeit vor Ort bei der Begehung durch die Repräsentantin der DRV Bund diese überzeugen konnte.

Ich erinnere mich sehr gerne zurück an die vielen lieben Kolleg*innen, die ich zu treffen die Freude hatte. An die vielen, zu Beginn noch 5-tägigen, Klausuren in den verschiedenen Teams, in denen wir manches auf den Weg gebracht haben und in denen wir immer eine sehr schöne Zeit miteinander hatten. Ebenso denke ich zurück an die vielen Klient*innen, die mir ans Herz gewachsen sind und für die ich hoffentlich auch nachhaltig tätig sein konnte. Ich erinnere mich hier an viele Einzel- und Gruppengespräche, Freizeitveranstaltungen und vieles, vieles mehr. Hier etwas herauszugreifen, würde niemandem gerecht werden.

Was war Deine größte Herausforderung?

Eine größte Herausforderung gab es nicht. Als eher ruheloser Charakter, der sich nicht mit Gegebenem und Unbefriedigendem abfinden mochte, unabhängig davon, ob es sich dabei um fachliche, menschliche oder politische Belange handelte, machte ich mich ständig an neue Aufgaben und Projekte und verfolgte diese mit Energie und Überzeugung. Dies geschah als Mitarbeiter, Psychologe, Leiter, Dozent, als Mitglied von diversen Gremien, die ich zum Teil zu gründen die Freude hatte sowie als (Stellvertretender) Betriebsratsvorsitzender.

Als ein schwieriges, wenn auch sehr bereicherndes Kapitel mit vielen schönen Begegnungen stellte sich immer wieder die Männerarbeit heraus. Ich denke, ich habe hier die Entwicklung bei Condrobs über fast 30 Jahr zwar maßgeblich mitgestaltet, aber ihr dennoch nie die Bedeutung habe geben können, der ihr meines Erachtens in der geschlechtlichen und in der zwischengeschlechtlichen Arbeit zukommt.

Dein Resümee nach fast 29 Jahren Condrobs?

Condrobs war immer ein interessanter Arbeitgeber gewesen, der mir vielfältige Möglichkeiten bot, aber mich auch immer wieder forderte. Ich konnte nicht immer durchsetzen, was ich für richtig hielt, aber häufig erhielt ich auch Angebote, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Für beides möchte ich mich bei Condrobs und den jeweiligen Initiatior*innen bedanken.

Condrobs war klein gewesen, überschaubar und familiär, als ich meine Arbeit 1994 aufnahm. Das habe ich sehr geschätzt, da es das Wir-Gefühl und den fachlichen und politischen Auftrag zusammenbrachte und insbesondere den persönlichen Bezug förderte. Mittlerweile ist Condrobs groß und in Teilen weniger überschaubar geworden, selbst für mich, der fast überall herumkam und in sehr vielen Einrichtungen auch tätig gewesen war. Damit hat Condrobs stärkeren Einfluss bekommen und genommen, was ich sehr schätze und wichtig finde. Aber das spürbar Gemeinsame ist auch ein wenig auf der Strecke geblieben.

Im Vordergrund meiner Tätigkeit mit Suchtmittel konsumierenden Menschen und mit Geflüchteten stand immer das Engagement für den*die einzelne*n Klient*in. Dies war mir in allen Positionen und in allen Aufgaben, die ich übernahm, das Wichtigste. Dass diese Menschen zu den besonders bedürftigen und von der Gesellschaft an den Rand gedrängten Personen gehören, hatte mich diese Arbeit wählen lassen. Der Kontakt mit diesen Menschen hat mich aber auch selbst persönlich bereichert, so dass an dieser Stelle zuletzt diesen Menschen dafür danken möchte, dass ich an Ihrem Leben für eine Zeit teilhaben durfte.

 

Danke für Deinen Einsatz in all den Jahren, lieber Jürgen!
Bild mit Menschen - Dekoratives

Lass Dich überraschen – von Condrobs als Arbeitgeber!

Wertschätzung, Vielfalt, Solidarität, Innovation, Nachhaltigkeit das sind nur einige Unternehmenswerte, die wir bei Condrobs leben. Neue Ideen begeistern uns und Veränderungen bringen uns in Bewegung. Gender Diversity, Überkonfessionalität und weltanschauliche Vielfalt sind bei uns keine bloßen Schlagworte, sondern werden gelebt.

 

 

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