Einladung zum Online-Fachtag

Online-Fachtag am 5. Mai 2021: GLEICHSTELLUNG DURCH GENDERARBEIT

Condrobs blickt auf 35 Jahre Genderarbeit und hat in der frauen*- und männer*spezifischen Arbeit Meilenstei­ne in München gelegt. Gleich mehrere Jubiläen unserer Suchthilfeeinrichtungen sind  Anlass für unseren diesjährigen Fachtag, an dem wir enttabuisieren, aufklä­ren, hinschauen und Augen öffnen wollen. So können wir unser Wissen nutzen, um individuelle Bedürfnisse unserer Klient*innen besser wahrzunehmen und gleichzeitig zur Gleichstellung, zu Integration und Inklusion aller Men­schen beitragen.

Es gibt keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit. Auf dieser Erkenntnis beruht das Gender Mainstreaming, als Leitlinie für Politik ebenso wie für die Soziale Arbeit. Es bedeutet, die unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedürfnisse von Frauen*, Männern* und LGBTIQ* stets zu berücksichtigen. Wie aber können wir dies in unserer täglichen Sozialarbeit konkret umsetzen?
 
Der Fachtag beleuchtet in verschiedenen Vorträgen die Frage, wie feministische Gleichstellungspolitik für alle Geschlechter unter Betrachtung existierender Machtverhältnisse und Hierarchien gelingen kann, bietet einen aktuellen Einblick in Aspekte der Intersexualität, sowie genderspezifische Aspekte der Männer*gesundheit. Ein weiterer Vortrag beschäftigt sich mit dem Tabuthema ChemSex bei schwulen Männern*  dessen Risiken und Auswirkungen, oft unterschätzt werden.
 
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und auf den Austausch mit Ihnen!

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Abstracts Fachtag Gleichstellung durch Genderarbeit

Zara Jakob Pfeiffer

Zur Person: Zara Jakob Pfeiffer ist Politikwissenschaftler_in, wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in der Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München, lehrbeauftragt an der Kunstuniversität Linz sowie freiberuflich tätig als Autor* und Referent*in mit den Schwerpunkten Geschlechterverhältnisse, feministische und antifeministische Diskurse und Bewegungen, dekoloniale, postkoloniale und postnationalsozialistische Erinnerungskultur, geschlechterreflektierte und rassismuskritische Bildungsarbeit und intersektionale Pädagogik. Zara Jakob Pfeiffer ist aktiv u.a. in [muc] münchen postkolonial, Netzwerk Rassismus- und Diskriminerungsfreies Bayern. Infos zu Veröffentlichungen, Projekte etc.: www.zara-jakob-pfeiffer.de
 
Vortrag STILL LOVING FEMINISM?! – FÜR EINEN SOLIDARISCHEN FEMINISMUS!
Feminismus ist eine Utopie, eine soziale Bewegung (tatsächlich viele), das Versprechen Unterdrückung entgegenzutreten, patriarchale Verhältnisse zu bekämpfen, Frauen zu befreien, alle Geschlechter zu befreien! Feminismus ist das, was wir daraus machen. Aber wer genau ist eigentlich dieses „wir“?
Wer definiert Zugehörigkeit im Streit um die Sichtbarkeit und Akzeptanz der vielfältigen Lebensrealitäten von Frauen und allen Menschen, die unter patriarchalen Verhältnissen leiden? Wie kann feministische Gleichstellungspolitik für alle Geschlechter gedacht werden ohne existierende Machtverhältnisse, Hierarchien und Privilegien auszublenden? 
Warum wird eine gleichberechtigte Teilhabe der Perspektiven von trans*, inter und nonbinären Menschen von manchen immer noch als Verlust für Frauen diskutiert, statt als wichtiger und notwendiger Teil einer gemeinsamen feministischen Strategie?
Welchen Rahmen und welchen Schutz brauchen wir, um die Ähnlichkeiten und Unterschiede der konkreten Erfahrungen, was patriarchale Gewalt und Machtverhältnisse strukturell und individuell bedeuten, zu hören und besprechbar zu machen – ohne verletzende Antworten vorwegzunehmen? 
Der Vortrag ist ein Versuch, sich diesen Fragen anzunähern. Feminismus ist das, was wir zusammen daraus machen – solidarisch, intersektional, inklusiv.
 
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Jan Geiger, Sub e. V.

Zur Person: Geboren 1987 in Tübingen, aufgewachsen in Münster und Ansbach
BA Literarisches Schreiben in Leipzig, BA Soziale Arbeit in München
HIV Prävention für MSM in München von 2017-20 im schwulen Zentrum Sub
Seit Mai 2020 ChemSex Beratung im schwulen Zentrum Sub
 
Vortrag CHEMSEX – SEX, DROGEN UND PARTY ALS LÖSUNGSVERSUCH
ChemSex ist sexualisierter Substanzgebrauch bei MSM. Was macht ChemSex besonders? Die schwule Subkultur ist geprägt von Nachtleben, in der Anders-Sein produktiv und lustvoll gelebt werden kann. Welche Faktoren formen schwules Begehren und Substanzgebrauch? Mit welcher Haltung und welchen Fragen sollten wir dem „Phänomen ChemSex“ begegnen?
 
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Luca Böhm und Andrea Schuler

Trans*Inter*Beratungsstelle, Münchner Aids-Hilfe e. V.
 
Luca Böhm arbeitet seit 2019 als Psychosoziale Berater_in in der Trans*Inter*Beratungsstelle mit Schwerpunkt Inter*. Er_sie ist außerdem Vorstandsmitglied bei OII Germany (Internationale Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen) und hat 2018 die münchner Inter*Community Gruppe inter*stellar mitbegründet. Luca Böhm nahm bei internationalen Inter* Community Events von OII Europe und ILGA teil. Von 2017 bis 2018 war er_sie Mitglied bei der französischen Inter* Organisation Collectif Intersexes et Allié.e.s. (OII France). Er_sie schließt im Sommer 2021 das Studium der Sozialen Arbeit ab.
 
Andrea Schuler arbeitet als Psychosoziale Berater_in bei der Trans*Inter*Beratungsstelle München. Andrea Schulers Fachgebiet sind die Auswirkungen von Geschlechterdiversität in sozialen und beruflichen Kontexten. Nach ihrem Bachelor of Arts in Management sozialer Innovationen war Andrea Schuler für den Bundesverband Trans* an dem ERASMUS+ Projekt Transvisible zur Arbeitsmarktintegration von trans* Menschen beteiligt. Im Jahr 2018 war Andrea Schuler an der Gründung der Münchner Community Gruppe „inter*stellar“ beteiligt.
 
Vortrag EINFÜHRUNG ZUM THEMA INTER*
Eine erste Hinführung zum Thema Intergeschlechtlichkeit, in der geklärt wird, was Intergeschlechtlichkeit bedeutet, die Lebensrealitäten intergeschlechtlicher Menschen angesprochen werden und die Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen, von denen Inter* betroffen sind, thematisiert werden.
 
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Thomas Altgeld

Zur Person: Thomas Altgeld (geb. 1963), Diplom Psychologe ist seit 1993 Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V; Arbeitsschwerpunkte: Systemische Organisationsentwicklung und -beratung, gesundheitliche Chancengleichheit, Männergesundheit. Er ist Herausgeber der Zeitschrift zur Gesundheitsförderung „impu!se“, Vorstandsvorsitzender des Bundesforums Männer, Schatzmeister der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung e. V. sowie Mitglied im Gesundheitsbeirat des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Infos und Kontakt: www.gesundheit-nds.de, Twitter: @Taltgeld
 
Vortrag AUFFÄLLIG SÜCHTIG, ABER KAUM BEACHTET? ÜBER MÄNNLICHKEITEN IN SUCHTHILFE UND PRÄVENTION
Die Deutschen Suchthilfestatistik zeigt Jahr für Jahr wieder dasselbe Bild bei der Geschlechterverteilung der Hilfesuchenden in der ambulanten und stationären Suchthilfe. Über alle Hauptdiagnosearten hinweg sind Männer zwei- bis zehnmal so häufig in Therapie und Beratung zu finden als Frauen. Nur in Gefängnissen dürfte es einen noch höheren Männeranteil als in der Suchthilfe beim aktuellen Klientel geben. Umso erstaunlicher ist es, wie wenig geschlechtsspezifische Angebote für Männer entwickelt wurden, bzw. dass der Blick auf männliche und weibliche Sozialisationsmuster und Inszenierungen der Geschlechterrolle über Drogengebrauch nicht Standard jeder Angebotsstruktur geworden sind.
Schon bei vielen riskanten Verhaltensweisen im Vorfeld, die die Entstehung von Sucht begünstigen, z.B. Rauschtrinken oder Glücksspiel, sind männliche Jugendliche auffällig häufiger dabei. Die Werbebudgets der Alkohol- und Glücksspielwerbung fokussieren vor allem auf genau diese Adressatengruppe. „Trinkfest“ zu sein oder „was zu vertragen“ ist immer noch eine gängige Möglichkeit, seine Männlichkeit zu inszenieren, und kein Ausdruck fortgesetzter gesundheitlicher Unvernunft. Deshalb müssten auch effektive Präventionsprogramme geschlechtsspezifisch angelegt sein, was aber ebenfalls kaum der Fall ist.
Gerade die Einbindung des Zusammenhangs von Rollenerwartungen, Männlichkeitskonzepten und Suchtmittelkonsum bietet gute Ansatzpunkte für erfolgreiche männerspezifische Behandlungs- und Präventionskonzepte. Dazu sollen Handlungsfelder, Fallstricke und Zukunftsperspektiven für eine männergerechte Suchthilfe und Suchtprävention aufgezeigt werden.