Das Scheitern des „War on drugs“

25. Juli 2021
Wie eine neue Drogenpolitik endlich Erfolge verbuchen kann

Der „Kampf gegen Drogen“, er ist eine unendliche Geschichte. Besonders erbittert tobt er dort, wo die Hauptfeinde vermutet werden: in Ländern, in denen berüchtigte Drogenkartelle eine Heimat gefunden haben und von wo aus sie die Welt mit ihrem Gift versorgen.

Ob Mexiko, Kolumbien, Brasilien, Afghanistan – immer wieder ist zu hören, lesen und sehen, wie der Krieg gegen die Mafia geführt wird. Und immer wieder gibt es vereinzelte Erfolgsmeldungen. Mal werden ein paar Tonnen Drogen beschlagnahmt, mal ein führender Kopf eines Kartells eliminiert.

Keine reale Verbesserung

Dass der „War on drugs“ in Wahrheit aber als gescheitert angesehen werden kann, traut sich kaum jemand zu sagen. Die Drogenindustrie boomt trotz jahrzehntelanger Bemühungen, sie abzuschaffen. Neue Suchtmittel sprießen aus dem Boden und unzählige Personen bereichern sich an deren Verkauf. Volle Härte gegen die Strippenzieher? Mitnichten. Der Hardliner-Kurs trifft für gewöhnlich Konsumierende oder kleine Dealer. Es kann festgehalten werden: diese Drogenpolitik ist mehr Populismus denn pragmatisches Vorgehen für eine tatsächliche Besserung des Ist-Zustands.

Forderungen nach Veränderungen

Aber was ließe sich unternehmen? Condrobs hat hierzu schon des Öfteren deutlich Stellung bezogen und sich für eine neue Suchtmittelpolitik ausgesprochen.

Unter diesem sehr weiten Punkt finden sich gleich mehrere wichtige Forderungen.

  • Adäquate Substitutionspraxis: Die Behandlung von drogengebrauchenden Personen mit Ersatzmitteln ist wissenschaftlich erwiesen eine geeignete Methode, um eine nachhaltige Entwöhnung zu erreichen und um Menschen das Leben zu retten. Dafür benötigt es Substitutionsärzte, ausreichend Substitutionsplätze und ganz grundlegend eine andere Betrachtungsweise innerhalb der Politik, was dieses Thema betrifft. Großen Nachholbedarf, insbesondere in Bayern, gibt es auch bei Substitution in Haftanstalten. Hier ist – entgegen wissenschaftlicher Evidenz – Nichtbehandlung leider nicht die Ausnahme.
  • Naloxonabgabe: Aus Krisengebieten kam in den letzten Jahren vermehrt Heroin nach Europa, was wiederum Verfolgungsdruck durch die Polizei sowie härtere Strafen durch die Justiz nach sich zog. In der Folge wichen Konsument*innen vermehrt auf andere Suchtmittel wie Fentanyl etc. aus – mit schlimmen Folgen. Professionelle Naloxon-Trainings sowie die freie Ausgabe des Medikaments können hierfür eine Lösung darstellen. Naloxon, ein Opiatantagonist, verhindert den Tod durch Opiatüberdosierung, ohne dass es die Toleranz steigert oder Suchtpotential besitzt.
  • Drug Checking: Hier wird es Menschen ermöglicht, Partydrogen vor dem Konsum untersuchen zu lassen. Die eindeutige Erfahrung: Leute konsumieren weniger Drogen, sobald sie mehr über sie wissen. Auf alle Fälle ist dies ein effektiveres Mittel, als radikale Verbote mit überharten Strafen auszusprechen.
  • Schaffung von Konsumräumen: Wegzuschauen ist politisch oftmals gängige Praxis, aus den Augen, aus dem Sinn. Dabei haben Konsumräume einen hohen gesellschaftlichen Nutzen. Der öffentliche Raum wird entlastet und drogengebrauchende Menschen bekommen einen ersten Schritt in das Hilfesystem ermöglicht. Vor allem aber in Bayern sind Konsumräume noch nicht etabliert, wodurch weder hygienische Standards für noch der allgemeine Zugriff auf Suchtmittelgebrauchende sichergestellt ist.
  • Regulierte Abgabe von Cannabis an Konsument*innen: Die aktuellen Regelungen bestrafen selbst den Besitz von kleinen Mengen unverhältnismäßig hart, Konsument*innen werden kriminalisiert. Eine kontrollierte Abgabe unter strenger Einhaltung des Jugendschutzes würde dem vorbeugen und automatisch zu einem Versiegen illegaler Handelsstrukturen führen

Es ist Zeit für eine an der Realität ausgerichteten, den martialischen „War on drugs“ ablösende Drogenpolitik. Weitere verschwendete Jahrzehnte im Kampf gegen nicht auszumerzende kriminelle Strukturen, in dem tatsächlich nicht die Kartelle, Banden oder Organisationen, sondern die Gebrauchenden in der Fülle die härtesten Strafen erhalten, kann man sich schlicht nicht mehr leisten.

[Forderungen nach Konsumräumen, Substitutionsausbau usw. wurden auch während des Internationalen Gedenktags für verstorbene Drogengebraucher*innen laut. Mehr dazu hier]

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